| Es mußte also in mir selbst
allerlei Unordnung sein, wenn ich so mit dem ganzen Weltlauf in Konflikt
kam. Und siehe, es war in der Tat eine große Unordnung da. Es war
kein Vergnügen, diese Unordnung in mir selber anzupacken und ihre
Ordnung zu versuchen. Da zeigte sich vor allem eines: der gute Friede,
in dem ich mit der Welt gelebt hatte, war nicht nur von mir zu teuer bezahlt
worden, er war auch ebenso faul gewesen wie der äußere Friede
in der Welt. Ich hatte geglaubt, mir durch die langen schweren Kämpfe
der Jugend meinen Platz in der Welt verdient zu haben und nun ein Dichter
zu sein, Mittlerweile aber hatte Erfolg und Wohlergehen auf mich den üblichen
Einfluß gehabt, ich war zufrieden und bequem geworden, und wenn
ich genau zusah, so war der Dichter von einem Unterhaltungsschriftsteller
kaum zu unterscheiden. Es war mir zu gut gegangen. Nun, für das Schlechtgehen,
das stets eine gute und energische Schule ist, war jetzt reichlich gesorgt,
und so lernte ich mehr und mehr die Händel der Welt ihren Gang gehen
zu lassen, und konnte mich mit meinem eigenen Anteil an der Verwirrung
und Schuld des Ganzen beschäftigen. Diese Beschäftigung aus
meinen Schriften herauszulesen, muß ich dem Leser überlassen.
Und noch immer habe ich die heimliche Hoffnung, es werde mit der Zeit
auch mein Volk, nicht als Ganzes, aber in sehr vielen wachen und verantwortlichen
Einzelnen, eine ähnliche Prüfung vollziehen und an die Stelle
des Klagens und Schimpfens über den bösen Krieg und die bösen
Feinde und die böse Revolution in tausend Herzen die Frage setzen:
wie bin ich selber mitschuldig geworden? und wie kann ich wieder unschuldig
werden? Denn man kann jederzeit wieder unschuldig werden, wenn man sein
Leid und seine Schuld erkennt und zu Ende leidet, statt die Schuld daran
bei andern zu suchen. |
||
|
12/27 |
||
|
|
||
| | zurück | | Home | | Download (pdf) | | ||