Judith Kuckart
Foto: Andreas Laich
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Über Tanz und Theater zum Schreiben gekommen
Judith Kuckart 36-ste Stipendiatin der Calwer Hesse-Stiftung
Über Tanz und Theater kam sie zum Schreiben. Dies ist ihren Texten durchaus anzumerken,
wie im Sparkassen-Casino bei der Begrüßung der neuen Hesse-Stipendiatin
Judith Kuckart deutlich wurde. Die in Berlin und Zürich lebende Autorin schaffte es mit
ihrem eben bei Dumont erschienenen Roman "die Verdächtige" auf die Auswahlliste zum
Deutsche Buchpreis. Am Sonntag, 30. November, liest Judith Kuckart um 11.15 Uhr im Georgenäum.
Drei Monate lang bewohnt die bereits 36-ste Stipendiatin der von Sparkasse und Südwestrundfunk
getragenen Stiftung die "Dichterklause" im Calwer Ledereck. Der Vorsitzende der
Calwer Hermann-Hesse-Stiftung, Dr. Andreas Narr, hieß die Gründerin des Berliner
Tanztheaters "Skoronel" in Calw herzlich willkommen. Gewohnt sprachgewandt stellte
der Vorsitzende der Findungskommission, Egbert-Hans Müller, die in Westfalen geborene
Schriftstellerin und Regisseurin vor.
"Die Nominierung Judith Kuckarts für den Deutschen Buchpreis verschafft der
Findungskommission einmal mehr die Genugtuung, mit ihrer Entscheidung der Anderer
voraus gewesen zu sein." Müllers Aufzählung ehemaliger Calwer Hesse-Stipendiaten,
die zwischenzeitlich mit höchsten Literaturpreisen bedacht wurden, war lang und
eindrucksvoll. Als "einzigartig in der zeitgenössischen deutschen Literaturszene"
adelte Egbert-Hans Müller diese Namensliste.
Mit 14 Jahren beginnt Judith Kuckart ihre Tanzausbildung in der Folkwang-Schule
Essen, studiert später Theater- und Literaturwissenschaften in Köln und Berlin.
Nach dem Magister und einem Studienaufenthalt in Dresden ist sie 1984 Assistentin
von Johannes Kresnik am Theater Heidelberg. Ab 1985 schreibt sie Stücke, tanzt und
choreographiert für ihr Tanztheater "Skoronel", 17 Produktionen entstehen bis zur
Auflösung 1998. Sie inszeniert am Stadttheater Baden-Baden und im Rahmen der Berliner
Festwochen.
Aus der Theatererfahrung heraus schreibt sie, 1990 erscheint ihr erster Roman
"Wahl der Waffen". Im Vierjahres-Abstand folgen "Die schöne Frau", "Der Bibliothekar",
"Lena Liebe" und "Kaiserstraße". "Die Vieldeutigkeit, ja Rätselhaftigkeit vieler
Passagen ihrer Texte" verdanke sich "dem Wunsch, von einem Verborgenen zu erzählen,
das nicht enthüllt werden kann, ohne dabei zerstört zu werden." Dieses Urteil aus dem
Kritischen Lexikon der Deutschen Gegenwartsliteratur bestätigt sich bei der Lesung
aus dem neuesten Werk im Calwer Sparkassencasino.
"Es gibt Autoren, die beschreiben über 25 Seiten den Haarknoten einer Frau",
das könne und wolle sie aber nicht. "Mein Text stimmt, wenn ich nichts mehr
wegstreichen kann", beschreibt die Autorin ihre Arbeitsweise. Und man könne
sich beim Umstellen eines Textes "selbst überraschen mit dem eigenen Material".
Wie sie denn mit einer negativen Kritik umgehe, wurde Frau Kuckart von der begeisterten
Zuhörerschaft nach der Lesung gefragt. Mit fundierter und konstruktiver Kritik
könne sie durchaus umgehen. Zuweilen jedoch habe sie den Eindruck, "da hat jemand
echt ein Problem, das es jetzt auf einer halben Seite abhandelt, mit meinem Bild dabei."
Dass sie bei Ortsbeschreibungen meist ihre in der Größe mit Calw vergleichbare Geburtsstadt
Schwelm beschreibe, ohne sie beim Namen zu nennen, begründete sie damit.
Dass "große Städte oft schon leer geschrieben sind." Vielleicht eine Chance
für die Hessestadt, in einen künftigen Kuckkart-Test als Vorbild zu dienen.
Bildtext:
Judith Kuckart (Mitte) ist neue Stipendiatin der Calwer Hermann-Hesse-Stiftung.
Sie wurde im Sparkassen-Casino begrüßt von (v.l.) Hesse-Experte Herbert-Schnierle Lutz,
Stiftungsvorsitzendem Dr. Andreas Narr, dem Vorsitzenden der Findungskommission
Egbert-Hans Müller und Stiftungs-Geschäftsführerin Elke Ruff.
Text: Andreas Laich
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