Hesse-Museum Gaienhofen zeigt Ausstellung zu Hesses Novelle "Klingsors letzter Sommer"

Hesse-Aquarell,EinladungskarteKlingsor-AusstellungGaienhofen2017

Nachdem bereits das Calwer Hesse-Museum eine Ausstellung zeigt, die von Hermann Hesses Novelle "Klingsors letzter Sommer" inspiriert ist, zieht das Gaienhofener Hesse-Museum nach und zeigt von 28. Mai bis 2. September 2017 eine Ausstellung "Klingsor sah Töne, hörte Farben".

Die beiden Ausstellungen dürften sich aber keine direkte Konkurrenz machen, da sie verschiedene Ansätze haben: Die in Calw noch bis 1. Oktober zu sehende, im Museo Hesse Montagnola entstandene Ausstellung "Hermann Hesse: Eine Mythologie des Tessins. Klingsors letzter Sommer illustriert von Sighanda" ist im Kern eine künstlerische Assoziation einer heutigen Künstlerin zu Hesses Werk, während die Gaienhofener Ausstellung werk- und kunstgeschichtlich dokumentiert und interpretiert.

Das Hesse Museum Gaienhofen schreibt zu seiner Ausstellung:

"Der Anlass zu dieser Ausstellung ergab sich aus der Entdeckung eines Schriftwechsels zwischen Heiner Hesse (1909-2003, Hermann Hesses mittlerer Sohn, der Nachlassverwalter des väterlichen Erbes war) und dem bedeutenden Typographen Jan Tschichold im Deutschen Schrift- und Buchmuseum Leipzig. In diesem Briefwechsel regt Heiner Hesse in den 70er-Jahren an, die von seinem Vater geschriebene Novelle Klingsors letzter Sommer in einer Liebhaberausgabe mit Aquarellen Hermann Hesses aus dem Entstehungsjahr des Klingsor (1919) herauszugeben.

Das Vorhaben scheiterte zunächst: Jan Tschichold starb 1974 während der Vorbereitungen, Hesses Verleger Siegfried Unseld vom Suhrkamp Verlag hatte andere Pläne. Erst 1977 konnte Heiner Hesse die luxuriöse Sonderausgabe im Verlag Orell Füssli veröffentlichen.

Das Hesse Museum Gaienhofen greift nun diese Korrespondenz auf und stellt die 1920 mit großer Zustimmung, aber auch mit Widerspruch aufgenommene Erzählung Klingsors letzter Sommer in das Zentrum einer Ausstellung, die den Sommer 1919 im Tessin sowohl über den Text und seine Interpretation als auch mit zahlreichen Bildern von Hermann Hesse und seinen Künstlerfreunden Louis Moillet, Anny Bodmer, Margherita Osswald-Toppi und Jean Lurcat vergegenwärtigt. Ergänzend sind Illustrationen von Gunter Böhmer zu sehen, die für eine weitere bibliophile Ausgabe des Klingsor 1940 entstanden und nach Zerstörung der damaligen Druckplatten im Krieg in Berlin erstmals 2000 bei Suhrkamp veröffentlicht wurden.

Gleichzeitig wird in Verbindung mit ausgewählten Dokumenten, Zeitzeugenberichten und Fotos derjenigen Personen, die in Beziehung zum Klingsor stehen, ein erweiterter Zugang zur Novelle eröffnet."

 

HSL