Osterlesung - 100 Jahre Montagnola am Ostersonntag, 21.04.2019 um 17.00 Uhr

Osterlesung - 100 Jahre Montagnola am Ostersonntag, 21.04.2019 um 17.00 Uhr

Vor einhundert Jahren siedelte Hermann Hesse von Bern ins Tessin um, wo er am 11. Mai 1919 eine Wohnung in der Casa Camuzzi in Montagnola bezog. In dieser ersten Zeit im Süden entstanden nicht nur die Erzählungen Klein und Wagner und Klingsors letzter Sommer, sondern auch Betrachtungen und Gedichte, in denen Hesse seiner Liebe zur Landschaft und der Tessiner Kultur Ausdruck verlieh. Einige der hier vorgestellten Texte, wie Gehöft, Mittagsrast und Rotes Haus erschienen 1920 in dem Band Wanderung im S. Fischer Verlag Berlin. Rückblickend beschrieb Hesse 1931 in der Betrachtung Beim Einzug in ein neues Haus dieses erste Jahr als „schön“ und „fruchtbar“, er sei „wie aus Angstträumen, die Jahre gedauert hatten“, aufgewacht und hätte „die Freiheit, die Luft, die Sonne, die Einsamkeit, die Arbeit“ eingesogen.

 

Dass er die Collina d’Oro bis zu seinem Tod im Jahre 1962 nicht mehr verlassen und dass er in Montagnola eine neue Heimat finden würde, wusste Hermann Hesse bei seiner Ankunft im Tessin noch nicht. Aber vielleicht ahnte er bei der Niederschrift der Betrachtung Rotes Haus, dass er viele Jahre später einmal selbst ein rotes Haus im Tessin bauen und kaum noch weite Reisen unternehmen würde:

„Rotes Haus, aus deinem kleinen Garten und Weinberg duftet mir der ganze Alpensüden! Mehrmals bin ich an dir vorbeigegangen, und schon beim ersten Mal hat meine Wanderlust sich zuckend ihres Gegenpols erinnert, und wieder einmal spiele ich mit den alten, oft gespielten Melodien: Heimat haben, ein kleines Haus im grünen Garten, Stille ringsum, weiter unten das Dorf. Im Stübchen nach Morgen hin stünde mein Bett, im Stübchen nach Süden mein Tisch, und dort würde ich auch die kleine Madonna aufhängen, die ich einmal, in früheren Reisezeiten, in Brescia gekauft habe.

 

Wie der Tag zwischen Morgen und Abend, so vergeht zwischen Reisetrieb und Heimatwunsch mein Leben. Vielleicht werde ich einmal soweit sein, daß Reise und Ferne mir in der Seele gehören, daß ich ihre Bilder in mir habe, ohne sie mehr verwirklichen zu müssen. […] Heimat in sich haben! – Wie wäre das Leben anders! Es hätte eine Mitte, und von der Mitte aus schwängen alle Kräfte.“

 

Die zitierte Madonna aus Brescia hängt heute übrigens in der Dauerausstellung im Museum Hermann Hesse in Montagnola.

 

Zusammenstellung der Lesung: Rudolf Cornelius

Es lesen Rudolf Cornelius (deutsch) und Antonio Ballerio (italienisch).

In deutscher und italienischer Sprache; Eintritt Fr. 15.–/10.–

 

Mit Unterstützung von: Comune di Collina d’Oro e Fondazione Araldi Guinetti

 

Fondazione Hermann Hesse

Torre Camuzzi, 6926 Montagnola

info@hessemontagnola.ch

Tel. +41 91 993 37 70