Ausstellung in Calw: Wortkünstler Weltbürger Weggenossen. Hermann Hesse und Thomas Mann

Ausstellung Hesse-Mann

Die Ausstellung „Wortkünstler Weltbürger Weggenossen. Hermann Hesse und Thomas Mann“, die ab dem 28. April im Hermann Hesse Museum Calw zu sehen sein wird, beleuchtet das freundschaftliche Verhältnis zweier Literaturnobelpreisträger, die auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher hätten sein können.

 

Wer an die beiden prägendsten deutschsprachigen Autoren des 20. Jahrhunderts denkt, dem fällt bei näherer Betrachtung zunächst die unterschiedliche Herkunft der beiden auf: Hier der Missionarssohn aus dem pietistischen Kleinstädtchen Calw, dort der Sohn eines Senators der selbstbewussten Hansestadt Lübeck. Hier der in der öffentlichen Selbstdarstellung bedachte Norddeutsche mit weltläufiger Eleganz, dort der menschenscheue Asket, den Besucher in Montagnola häufig in seinem Leinenanzug und mit Strohhut bei der Gartenarbeit beobachten konnten. „Diese Unterschiede in der Biografie und im Selbstverständnis erscheinen uns heute nahezu als unüberwindbar, aber vielleicht liegt gerade hier das Geheimnis dieser außerordentlichen Verbundenheit“, wie Museumsleiter Timo Heiler mutmaßt.

 

Doch was zeichnete diese außergewöhnliche Freundschaft aus? Denn trotz dieser und weiterer Unterschiede finden sich in den Lebensläufen und den literarischen Werken der beiden Schriftsteller eine Vielzahl von Übereinstimmungen und Parallelen, die dazu beitrugen, dass sich Hermann Hesse und Thomas Mann in einem langjährigen Austausch befanden. „Die Bandbreite reicht dabei von der Prägung durch ein weltoffenes Elternhaus und einer innigen Abneigung gegen das damals vorherrschende Schulsystem, über die politischen Einstellungen zur Demokratie und dem Nationalsozialismus bis hin zur verblüffenden inhaltlichen Ähnlichkeit der beiden Werke des „Glasperlenspiels“ und „Doktor Faustus“, die jeweils unabhängig und in Unkenntnis voneinander entstanden sind und in der Ausstellung einen wichtigen Platz einnehmen“, so Heiler weiter.

 

Neben diesen Aspekten beleuchtet die Ausstellung aber auch die dichterischen Anfänge der beiden Nobelpreisträger, deren Arbeitsverständnis und die öffentliche gegenseitige Wertschätzung im fortgeschrittenen Alter. Entstanden ist dadurch ein vielschichtiges Panorama, das umfangreich verschiedenste Facetten dieser Männerfreundschaft abbildet.

 

„Ganz besonders freut es uns, dass es gelungen ist, zahlreiche Leihgaben wie Fotos, Dokumente und Lebensobjekte von namhaften Institutionen und Archiven sowie privaten Leihgebern aus Deutschland und der Schweiz für diese Ausstellung zusammenzutragen, und dass wir auch Exponate ausfindig machen konnten, die zum Teil in der Bundesrepublik bisher noch nicht zu sehen waren, wie zum Beispiel Hesses Skier, die wir von vielen Fotos her kennen, auf denen die beiden Literaten zu sehen sind“, so Heiler weiter. „Auf diese Weise entstand eine umfangreiche, tiefsinnige und spannende Sonderausstellung, welche chronologisch ausgerichtet die persönliche, politische und künstlerische Verbundenheit der beiden Autoren nachzeichnet und die Besucher auch medial zum Entdecken einlädt.“

 

Die Ausstellung wird am 28. April um 14 Uhr im Saal Schüz des Hermann Hesse Museums eröffnet. Nach einem Grußwort von Dieter Kömpf, Stellvertreter des Oberbürgermeisters, stellt der Leitende Direktor der Kulturstiftung der Hansestadt Lübeck und Präsident der Deutschen Thomas Mann-Gesellschaft, Prof. Dr. Hans Wißkirchen die Freundschaft der beiden Literaten vor. Matthias Alteheld, Professor für Liedkunst an der Hochschule Freiburg und Matthias Nenner, Bariton an der Staatsoper Stuttgart, führen musikalisch in die Ausstellung ein. Der Eintritt ist frei, die Bevölkerung ist herzlich eingeladen.

 

(Quelle: Hermann Hesse Museum Calw /PBS)