Mirzali Akbarov übersetzte Hermann Hesse - der Steppenwolf in Usbekistan

Mirzali Akbarov

Der Diplom-Germanist und freischaffende Übersetzer Mirzali Akbarov ist ein großer Bewunderer des Werks von Hermann Hesse. Deshalb war es ihm eine Ehre, dass er einige Bücher in seine Muttersprache Usbekisch übersetzen konnte – besonders angetan hat es ihm der Steppenwolf. Über seine Beziehung zu Hesse und seine Arbeit als Übersetzer hat er einen Beitrag verfasst.

 

Warum hat Mirzali Akbarov Hesses Steppenwolf übersetzt?

„Also, nachdem unser Land 1991 seine Unabhängigkeit erlangt hatte, wurden sehr schnell einige neue und moderne Periodika aufgelegt. Eines dieser Periodika ist die literarisch-künstlerische, gesellschaftlich-publizistische Zeitschrift „Jahon Adabiyoti“ – „Weltliteratur“, die seit 1997 monatlich erscheint. Als im Jahre 1999 in dieser Zeitschrift zum 250 jährigen Jubiläum des großen deutschen Dichters und Denkers Johann Wolfgang von Goethe einige Musterbeispiele aus seinen „Maximen und Reflexionen“ in meiner Übersetzung veröffentlicht wurden, schlug mir der damalige Chefredakteur der Zeitschrift, der bekannte usbekische Literaturwissenschaftler Ozod Scharafiddinov, vor, aus einer Liste mit Werken berühmter deutscher Dichter und Schriftsteller eine Auswahl für Übersetzungsprojekte zu treffen. Und unter diesen Werken war auch der Roman „Steppenwolf“ von Hermann Hesse, dem international beachteten Literaturnobelpreisträger.

 

 

Nachdem ich mich mit all diesen Werken näher beschäftigt hatte, interessierte mich Hesses Roman schließlich mehr als die anderen und ich tauchte immer tiefer in seine eigenwillige Welt ein. Eine geeignete Werkausgabe stellte mir die Bibliothek des Goethe-Instituts Taschkent zur Verfügung. Im Grunde hatte ich dieses Werk bereits in meinen Studentenjahren kennengelernt, aber offen gestanden, waren diese Lebenshaltung und Hesses Kunstverständnis damals für uns ganz und gar unbegreiflich gewesen.

 

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, gerade kurz darauf einzugehen, warum und auf welche Weise ich das Wagnis einging, ausgerechnet dieses tief psychologische Werk in meine Muttersprache zu übersetzen. Dabei muss ich festhalten, dass ich dazu nicht spontan gekommen bin. Bis dahin übersetzte ich ausschließlich kürzere Texte, wie aus den bereits erwähnten „Maximen und Reflexionen“ von Goethe, Kurzgeschichten und Novellen von Wolfgang Borchert, Gerhard Branstner, Friedrich Christian Delius, Thomas Mann, Stefan Zweig und anderen deutschen Schriftstellern.

 

Sie alle sind in einschlägigen usbekischen Zeitungen und Zeitschriften bereits veröffentlicht worden. Aber zu meiner bisher größten Übersetzungsarbeit aus der deutschen Literatur wurde „Der Steppenwolf“ von Hermann Hesse mit einem Zeitaufwand von knapp zwei Jahren (2000 – 2002). Es ist hoffentlich keine Übertreibung, wenn ich sage, dass die Veröffentlichung der usbekischen Übersetzung des „Steppenwolf“ 2002 zuerst auf den Seiten unserer beliebten Zeitschrift „Jahon Adabiyoti“ – „Weltliteratur“ ein würdiges Geschenk zum 125. Geburtstag des Dichters geworden ist.

 

Dieses Buch übersetzte ich letztlich nicht deshalb, dass Hermann Hesse ein weltberühmter deutscher Dichter war und „Der Steppenwolf“ als der Roman gelten kann, der die größte Bekanntheit erlangt hat. Nein. Dieses Werk übertrug ich gerade deshalb, dass es mich so tief beeindruckt und berührt hat, so dass ich auch, wie die zahllosen Leser verschiedenen Alters in der ganzen Welt – in der Figur des Harry Haller mich selbst wiederfand…“

 

Eine große Herausforderung

„Natürlich stieß ich bei der Übersetzung des Buches auch auf eine Reihe gravierender Schwierigkeiten und es galt, weit reichende Missverständnisse bei der usbekischen Übersetzung bestimmter Wörter und Redewendungen zu überwinden. Nun aber im Endergebnis wurde dem usbekischen Leser eine literarische Übersetzung vorgelegt, die, wie es der ehemalige Mitarbeiter der Deutschen Botschaft Taschkent, Herr Raban Richter in seinem Vorwort hervorgehoben hat, auf sehr hohem sprachlichen Niveau steht und dennoch auch aus der Sicht der usbekischen Gegenwartssprache gut lesbar ist. Und ich weiß nicht, ob es Zufall oder Schicksal gewesen ist, dass der Held des Romans – Harry Haller 47 Jahre alt ist und ich das Werk ebenfalls in meinem siebenundvierzigsten Lebensjahr übersetzte.“

 

(Quelle: Mirzali Akbarov/PBS)