Gerbersauer Lesesommer 2019 endet mit einer Hommage Hermann Hesses an seine Schwester Adele

Hermann Hesse mit seiner Schwester Adele 1946 in Montagnola. Foto: Martin Hesse

Wie in jedem Jahr findet der „Gerbersauer Lesesommer“ am 9. August, dem Todestag Hermann Hesses, seinen Abschluss um 19.30 Uhr mit einer musikalisch umrahmten Lesung in Calw in der Stadtkirche am Marktplatz. Im Mittelpunkt steht diesmal Hermann Hesses Gedenken an seine vor genau 70 Jahren verstorbene ältere Schwester Adele, die ihm viel bedeutete. Es lesen die beiden vom Südwestfunk bekannten Sprecher Luise Wunderlich und Rudolf Guckelsberger. Stadtkantor Martin W. Hagner (Klavier/Orgel) gestaltet zusammen mit Agnes Haffner (Querflöte) die musikalische Umrahmung.

Seine zwei Jahre vor ihm 1875 geborene Schwester Adele war für Hermann Hesse eine besonders wichtige familiäre Bezugsperson. Mit ihrem ausgeglichenen Wesen übernahm sie schon zu Lebzeiten der Eltern eine Vermittlerfunktion in der Familie, die wichtig war, wenn es zwischen Hermann Hesse und den Eltern Schwierigkeiten gab.

Nach dem Tod der Eltern wurde sie zum Mittelpunkt der Hesse-Familie, hielt Kontakte zu allen, informierte und glich aus. Nie stellte sie die gegenseitige innige Beziehung zum Bruder Hermann in Frage, auch wenn dieser sich teilweise in einer Künstlerwelt bewegte, die ihr fremd war. Stets suchte sie nach Verstehen, und für Hermann Hesse war sie deshalb „der vertrauteste Mensch und die dauerhafteste Liebe“.

Dies schrieb er in seinem Gedenkblatt, als die Schwester am 24. September 1949 in Korntal starb. Aus dieser und anderen Erinnerungen erfährt man viel über das Leben in der Familie Hesse, aber auch über Adele selbst, die trotz ihres bescheidenen Wesens eine bedeutende Persönlichkeit war.

Als Dreißigjährige hatte sie den Pfarrer Hermann Gundert geheiratet, dem sie eine rastlos tätige Hilfe war an den Pfarrstellen in Höfen, Hopfau, Unterreichenbach, Eckenweiler und Korntal. Während des Nazi-Regimes waren beide in der „Bekennenden Kirche“ und retteten mit diesem Netzwerk in aller Stille immer wieder mutig jüdische Mitbürger und andere Verfolgte. Für Hermann Hesse, der deshalb während dieser Zeit viel Angst um sie hatte, war es die größte Freude, als sie ihn nach dem Krieg 1946 endlich wieder in Montagnola besuchen konnte.