Corona-Pandemie bringt das Hesse-Museum in Montagnola in schwierige Lage

Innenraum des Museo Hermann Hesse in Montagnola

Die Corona-Pandemie hat die Hermann-Hesse-Museen durch die zeitweise notwendig gewordene Schließung sowie die Absage oder Verschiebung geplanter Veranstaltungen hart getroffen. Besonders betroffen ist das Museo Hermann Hesse in Montagnola, das nicht wie die Museen in Calw und Gaienhofen durch eine kommunale Trägerschaft abgefedert ist, sondern sich über die Stiftung Fondazione Hermann Hesse Montagnola und die Besuchereinnahmen selbst finanzieren muss. Wir haben mit Regina Bucher, der Leiterin des Museums, darüber gesprochen:

 

Frau Bucher, wie haben sich die Pandemie-Maßnahmen auf das "Museo Hermann Hesse" und die "Fondazione Hermann Hesse Montagnola" ausgewirkt?

Wie auch in Deutschland mussten die Museen hier ab Mitte März von einem Tag auf den anderen für zwei Monate schließen. Ab 11. Mai konnten wir zeitweise unter strengen Auflagen wieder öffnen, zunächst mit reduzierten Öffnungszeiten. Seit 1. Juli haben wir wieder täglich geöffnet. Einige Veranstaltungen mussten ganz abgesagt werden, andere konnten wir auf den Herbst verlegen. Um unseren Partnern, Besuchern und Freunden des Museums Hermann Hesse und die Faszination der Tessiner Landschaft sozusagen ins Wohnzimmer zu bringen, haben wir sofort nach Schließung virtuelle Spaziergänge und Lesungen ins Netz gestellt. Wir wollten damit die Menschen aufbauen, sie an das Schöne im Leben erinnern und ihnen Hoffnung und Trost spenden – und viele haben dies sehr geschätzt!

Sämtliche Kulturreisegruppen und angemeldete Schulklassen (ca. 35 Gruppen) mussten ihren Besuch in Montagnola aber absagen. Das alles hat zu einem sehr großen Einnahmeverlust geführt, bei laufenden Fixkosten. Ein Teil der Personalkosten konnte zwar durch Kurzarbeitergeld kompensiert werden, auch die Gemeinde hilft mit einem Beitrag. Dennoch ist das finanzielle Loch enorm, da wir einen großen Teil der Betriebskosten durch Eintrittsgelder und Einnahmen aus dem Museumsshop finanzieren. Um Zahlen zu nennen: Von Januar bis Ende Mai 2020 verzeichneten wir 866 Besucher, im gleichen Vorjahreszeitraum waren es 4322, also ein Rückgang um 80%.

 

Was ist der Stand nun, nachdem die Maßnahmen wieder gelockert wurden? Haben Sie wieder eine nennenswerte Besucherfrequenz im Museum? Wie steht es mit der Durchführung von Veranstaltungen?

Es ist schön, dass nun wieder interessierte Besucher kommen können, vor allem aus der deutschen Schweiz und vereinzelt auch aus Deutschland und Italien, allerdings viel weniger als sonst – auch im Juni gab es noch einen Rückgang um ca. 70% gegenüber dem Vorjahr. Das ist nicht verwunderlich, denn es fehlen die Gruppenbesuche und der internationale Tourismus aus Europa, aber auch aus Japan, Korea, USA. Außerdem sind viele Highlights im Tessin (Locarno Filmfestival, Estival Jazz, Ceresio Estate und vieles andere) abgesagt worden und die internationalen Schulen sind nach wie vor geschlossen, was sich direkt auch auf unsere Besucherzahlen und damit auf die Einnahmen auswirkt. Wir versuchen dennoch, unseren Besuchern etwas Aufbauendes zu bieten, und den Beschränkungen mit gelassener Heiterkeit und schönen Events entgegenzutreten. So nehmen wir ab 5. Juli unsere Sonntagslesungen wieder auf (im Garten mit Sicherheitsabstand und beschränkter Gästezahl), am 9. August findet die Lesung zum Todestag Hermann Hesses auf dem Friedhof statt, und ab September möchten wir unser Programm wie geplant durchführen, allerdings mit beschränkter Teilnehmerzahl und unter Berücksichtigung der gesetzlichen Schutzmaßnahmen. Diese Veranstaltungen können dank unserer treuen Sponsoren zum Teil finanziert werden. Aber auch hier gibt es ein Finanzloch, da zum einen die Einnahmen niedriger sind (beschränkte Teilnehmerzahl), und zum anderen die Kosten viel höher (mehr Personal, Plexiglasschutz, Masken, neue Konzeption im Freien etc.). Generell halten wir es aber für die richtige Entscheidung, im Rahmen des Möglichen den Menschen etwas Aufbauendes zu bieten. So bin ich sehr stolz darauf, dass wir trotz des Lockdowns und unter sehr schwierigen Bedingungen die wunderbare Sonderausstellung "Gunter Böhmer illustriert Klingsors letzter Sommer" im Museum eröffnen konnten.

 

 

Wie sehen Sie in die nähere und weitere Zukunft des Museums?

Ja, das ist eine gute Frage. Ich glaube, wir werden diese harte Zeit durchstehen, wenn wir zusätzliche finanzielle Hilfe bekommen. Dass es ein großes Loch geben wird, steht fest; wie groß ein sein wird, wissen wir noch nicht mit Sicherheit, aber es werden laut einer internen Prognose für das ganze Jahr 2020 mindestens 55.000 Euro fehlen, wenn es ganz schlecht läuft bis zu 125.000.- Euro, denn unser internationales Publikum wird wahrscheinlich auch im Herbst wohl größtenteils noch nicht ins Tessin reisen, wenn die Unsicherheiten durch die Pandemie nicht völlig ausgeräumt sind. Aus diesem Grund haben wir uns nun an die Öffentlichkeit gewandt mit der Bitte, unser Museum durch eine Spende zu unterstützen, damit wir über die Krisenzeiten kommen und zugleich an neuen Veranstaltungen und Ausstellungen für die Zeit danach arbeiten können. Jeder Betrag ist dabei willkommen und findet unseren herzlichen Dank!

 

Spenden können auf folgendes Konto überwiesen werden:

Fondazione Hermann Hesse Montagnola

6926 Montagnola

Banca Raiffeisen Colline del Ceresio, 6942 Savosa

BIC: RAIFCH22XX

IBAN: CH73 8036 2000 0036 6770 8

 

(HSL)