Das neue Hermann-Hesse-Jahrbuch ist erschienen

Das neue Hermann-Hesse-Jahrbuch ist erschienen

Soeben ist der Band 13 des Jahrbuchs der Internationalen Hermann-Hesse-Gesellschaft erschienen. Er ist zum Preis von 38 € über den Buchhandel beziehbar. Mitglieder der Hesse-Gesellschaft erhalten ihn kostenlos (Informationen zur Mitgliedschaft sind unter www.hessegesellschaft.de erhältlich).

Die in Corona-Zeiten nicht einfache Entstehung des mit 252 Seiten recht stattlichen Bandes sowie seinen themenreichen Inhalt beschreibt Herausgeber Michael Limberg im Vorwort:

„Hermann Hesse in Zeiten von Corona“ lautet der Titel eines Beitrags in diesem Band, aber der Satz könnte ebenso gut als Motto über dem ganzen Jahrbuch stehen. Der Lockdown im März brachte die Planung völlig durcheinander. Bereits zugesagte Beiträge wurden Corona-bedingt abgesagt, und durch die Verschiebung der Hesse-Tage in Sils Maria auf das kommende Jahr fehlten die Vorträge, die in den letzten Jahren immer die Basis des Hesse-Jahrbuchs gebildet hatten, und es bestand die Gefahr, dass kein Band zustande kommen würde.

Aber „wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch“, wusste schon Hölderlin, und so kamen wider Erwarten im Spätsommer und Herbst genügend Texte zusammen, die ein Jahrbuch für 2021 ermöglichten.

Die einzelnen Beiträge beschäftigen sich mit Werken Hesses, mit Personen aus seinem Umfeld sowie mit Einzeluntersuchungen.

In seinem Eröffnungsbeitrag entdeckt der Schriftsteller Michael Kleeberg in Corona-Zeiten das Wandern als kontemplative, spirituelle Tätigkeit, die gleichzeitig ein Weg nach innen sein kann. Stefan Höppner geht der Frage nach, in welchem Verhältnis der 1927 erschienene Steppenwolf zur Neuen Sachlichkeit steht, der bedeutendsten Literaturströmung seiner Zeit. Ziyuan Chi befasst sich mit dem Thema „Selbstverwirklichung in Narziß und Goldmund“, und Sabine Gruber untersucht die Darstellung der Pest in Hesses 1930 erschienenem Roman, ein Thema von erschreckender Aktualität.

Dass der junge Hermann Hesse den Jugendstilkünstler Fidus verehrte und bewunderte, ist Hesse-Kennern zwar bekannt, weniger jedoch, dass diese Beziehung – mit langen Pausen – sich bis in die Dreißigerjahre hineinzog, als Fidus sich mit seiner völkischen Gesinnung um Anschluss an die Nazis bemühte. (Karl-Ludwig Barkhausen)

Bärbel Reetz untersucht die problematische Beziehung Hesses zu seiner zweiten Frau Ruth Wenger, die mit einer Liebesbeziehung begann und mit Frust und Enttäuschung auf beiden Seiten endete.

Bei den Personen fällt der Briefwechsel Hesses mit seinem Jugendfreund Theodor Rümelin durch seinen Umfang aus dem Rahmen, aber da diese Korrespondenz bisher nur in einem 2018 von den Enkeln Rümelins herausgegebenen Privatdruck in kleiner Auflage vorlag, schien es vertretbar, ihn (mit kleinen Kürzungen) aufzunehmen. (Hans-Joachim Uhlemann)

Vor dem Hintergrund der Spiegeltheorie Jacques Lacans untersucht Helga Esselborn-Krumbiegel die Funktion des Spiegels in Hesses Werken.

Renate Limbergbgeht den Gründen für die starke und nachhaltige Wirkung des Malens auf Hesse nach, und Jürgen Weber, schon mehrfach mit „chinesischen“ Themen im Jahrbuch vertreten, beschäftigt sich mit Hesse und Zen, genauer gesagt mit der Übersetzung des Biyan Lu durch seinen Vetter Wilhelm Gundert, ein Buch, das Hesse im Alter „einen großen Teil seiner Tage ausgefüllt“ habe.

Mit China beschäftigt sich auch der Beitrag von Jian Ma, der über die Hesse-Rezeption seit 2008 referiert.

Zum 30jährigen Bestehen des Hesse-Museums in Calw blickt Herbert Schnierle-Lutz auf die Anfänge zurück.

Sehr erfreulich ist, dass das Jahrbuch dieses Mal mit vier Besprechungen aufwarten kann, u.a. einer Rezension der Verfilmung von Narziß und Goldmund. Für den Regisseur, den Oskar-Preisträger Stefan Ruzowitzky, wurde der Filmstart zum Super-Gau, denn drei Tage nach der Vorstellung des Films in den Kinos mussten diese wegen der Pandemie schließen.

Es bleibt zu hoffen, dass 2021 sowohl die Hesse-Tage in Sils Maria, die den Roman Narziß und Goldmund thematisieren, als auch die in Gaienhofen zum Thema „Liebesgeschichten und Familienbande“ stattfinden können.

 

Hermann-Hesse-Jahrbuch, Band 13

Herausgegeben von Michael Limberg

im Auftrag der Internationalen Hermann-Hesse-Gesellschaft

Hardcover, 252 Seiten, 38 Euro, ISBN 978-3-8260-7278-9

Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 2021

 

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Hermann-Hesse-Jahrbuch Band 13 Inhalt Seite 2.jpeg472.59 kB