Bern

Von Gaienhofen zieht die Familie Hesse im September 1912 nach Bern um. Allerdings nicht in die Stadt, sondern in ein ländliches Haus in dem stillen Vorort Ostermudingen. Hesse findet alles, was er sucht: schöne Landschaft, nahe Berge und eine anregende, kultivierte Gesellschaft. Allerdings nehmen die ehelichen Probleme zu. Ehefrau Mia wird zunehmend gemütskrank, und Hermann Hesse kann seine Funktionen als Familienvater, Schriftsteller und Zeitkritiker immer schwerer koordinieren. Denn in diese Phase fällt auch der Erste Weltkrieg, dem er seine politischen Mahnrufe entgegensetzt, und der Aufbau einer Kriegsgefangenenfürsorge. Nach dem Tod des Vaters 1916 steht der Dichter am Rande des nervlichen Zusammenbruchs, er begibt sich in eine Psychotherapie. 1919 bricht er mit dem Familienleben und der Sesshaftigkeit und verlässt nach sieben Jahren Bern, um allein ins Tessin zu ziehen. Mia befindet sich zu dem Zeitpunkt bereits in klinischer Behandlung, die Kinder werden ins Internat gegeben oder bei Bekannten untergebracht. Trotz aller Schwierigkeiten waren die Berner Jahre für den Schriftsteller Hesse fruchtbare und erfolgreiche Jahre. Rosshalde und Knulp werden in dieser Zeit vollendet und es entsteht der Roman Demian, der vor allem die Jugend begeistert und eine neue Stufe im dichterischen Schaffen einleitet. Auch äußerlich markiert er einen Neuanfang, indem Hesse das Buch zunächst unter dem Pseudonym Emil Sinclair erscheinen lässt.