Gaienhofen

Im August 1904 kommt Hermann Hesse mit seiner Frau Maria Bernoulli, die er in Basel kennen gelernt hatte, nach Gaienhofen am Untersee. Das junge Ehepaar zieht in ein einfaches Bauernhaus am Kapellenberg mitten im Dorf. Die Jahre am Bodensee sind verknüpft mit Hesses ersten großen Erfolgen als freier Schriftsteller: Peter Camenzind (1904) wird von der Kritik hymnisch aufgenommen, Unterm Rad (1906) wird zum Verkaufserfolg. Hesse richtet sich in der Abgeschiedenheit und Natürlichkeit des ländlichen Lebens ein, entwickelt ein „Gefühl der Seßhaftigkeit“ und ist als Schriftsteller sehr produktiv. Am Bodensee entstehen eine Reihe von Erzählungen daneben macht er sich als Literaturkritiker und Mitarbeiter verschiedener literarischer Zeitschriften einen Namen. Und Hesse wird Vater: 1905 kommt sein ältester Sohn Bruno auf die Welt. 1909 und 1911 werden die Söhne Heiner und Martin geboren. Wegen des Nachwuchses baut das Paar mit Hilfe des Basler Schwiegervaters ein eigenes und komfortableres Haus am Ortsrand von Gaienhofen. Auch gesellschaftlich beginnt sich Hesse zu etablieren. Er pflegt regen Kontakt zu vielen Künstlern, Musikern und Malern, die sich nach ihm in der Bodenseeidylle niedergelassen haben. Darunter Otto Blümel, der mehrere Bücher von Hesse  ausstattet. Auch Ludwig Finckh, der Tübinger Freund, lässt sich als Arzt ganz in der Nähe nieder. Später folgen u.a. die expressionistischen Maler Erich Herkel und Otto Dix. Doch ein Wohnsitz auf Dauer kann Gaienhofen nicht werden. Hesse unternimmt Reisen, die er selbst als „Flucht“ bezeichnet. 1911 bricht er nach Indien auf. Ein Jahr später wird das Haus in Gaienhofen verkauft, die Familie zieht nach Bern in die Schweiz.

 

Volker Michels über Gaienhofen, Vortrag 1995 (PDF, 160 kB)

Hesse an Stefan Zweig