Joseph Zoderer

Joseph Zoderer

Foto: Andreas Laich

Hesse-Stipendiat von Calw begeistert

Südtiroler Schriftsteller Joseph Zoderer bewohnt „Dichterklause“

 

„Ich habe mich schon total auf Calw eingestellt und bin einfach begeistert“ So führte sich der neue Hesse-Stipendiat, der südtiroler Schriftsteller Joseph Zoderer, beim Empfang im „Rössle“ ein. Der 1935 in Meran gebürtige Autor ist bereits der 33. Stipendiat der Calwer Hermann-Hesse-Stiftung, getragen von Sparkasse Pforzheim Calw und SüdwestRundfunk. Unter anderem erhielt Zoderer die Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung, den Hermann-Lenz-Preis und den Walther von der Vogelweide Preis. Am Sonntag, 17 Juni, liest der Romancier, der jetzt für drei Monate die „Dichterklause“ im Calwer Ledereck bewohnt, um 11.15 Uhr im Calwer Hesse-Museum.

 

Vorsitzender Dr. Andreas Narr und weitere Vertreter und Freunde der Hesse Stiftung sowie Oberbürgermeister Manfred Dunst hießen Zoderer in Calw willkommen. Narr wünschte dem Gast „eine schöne ereignisreiche Zeit in Calw“ und meinte: „Ich freue mich, dass sie offenbar SWR 4 hören.“ Egbert-Hans Müller, Vorsitzender der Stiftungs-Findungskommission, stellte den Stipendiaten gewohnt sprachgewandt vor.

 

Joseph Zoderer hat in Wien Jura, Philosophie, Theaterwissenschaft und Psychologie studiert. Neun Jahre lang arbeitete er als Journalist, reiste dann durch Südeuropa, die USA, Kanada und Mexiko, bevor er zehn Jahre Redakteur beim RAI in Bozen war. Seit 1981 lebt Zoderer als freier Autor in Südtirol und ist korrespondierendes Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt.

1976 erschien Zoderers erster Roman „Das Glück beim Händewaschen“, der später sogar verfilmt wurde. Auch der 1982 veröffentlichte Roman „Die Walsche“ wurde verfilmt und in Italien gar zum Bestseller. Und „Lontano“, Zoderers 1984 erschienenes drittes Werk, charakterisiert Reinhard Baumgart in der F.A.Z.: „Kein Neo-Heimatdichter, sondern eher: Heimatlosigkeitsdichter“. Es folgen „Dauerhaftes Morgenrot“ 1987, „Schlaglöcher“ 1993, „Das Schildkrötenfest“ 1995.

 

Zu „Der Schmerz der Gewöhnung“, erschienen 2002, bekannte Egbert-Hans Müller, ihm wolle dieser Roman „als Summa – im doppelten Sinne des Wortes – alles dessen erscheinen“, was Zoderer bisher über das sudtiroler Spezifikum geschrieben habe, „hier nun erweitert um das Thema italienischer Faschismus. Das Atmosphärische wird wohl keiner so erfassen können wie er.“

 

Die Identitätssuche von Menschen, die wie er selbst als Südtiroler zwischen den Kulturen leben, ist Zoderers Hauptthema. Intensiv beschäftigt er sich in seinen Werken mit dem Zusammenleben zwischen Italienern und Deutschen, kritisiert die starren Grenzen, die keinen Kulturaustausch ermöglichen. Aber auch den mangelnden Willen, die jeweils andere Sprach – bzw. Kulturgruppe in die eigene zu integrieren.

 

Joseph Zoderer fühlt sich in Calw „wie in der verlängerten Heimat“. Im Herbst soll sein erster Gedichtband bei Hanser erscheinen, für den er „die Krise eines Romanprojekts in Kauf genommen“ habe, nun aber hoffe, „hier kreatives Kapital aus Hesses Präsenz schlagen zu können.“