Peter Kurzeck

Peter Kurzeck

Foto: Andreas Laich

Peter Kurzecks neuester Roman „Oktober und wer wir selbst sind“ - erschienen bei Stroemfeld - führte im Juni die Bücherbestenliste der SWR-Jury an. Andreas Maier adelte den 64-Jährigen in der „Zeit“ als einen „der ungewöhnlichsten, wunderbarsten Erzähler“. Kurzeck erzähle alle seine Bücher wie einem Kind, was „vielleicht die seltsame, einmalige, vorher nie dagewesene, wunderschöne Sprache“ erkläre. Was darunter zu verstehen ist, konnten die Begrüßungs-Gäste im Calwer Sparkassencasino bei einer kurzen Lesung dann selbst erleben.

 

Gewohnt souverän hatte zuvor Egbert-Hans Müller, Vorsitzender der Findungskommission der Hesse-Stiftung, den Stipendiaten vorgestellt. Er charakterisierte Kurzecks Sprache aus eigener Erfahrung als „zupackend“, schaue „dem Volk aufs Maul“, mit treibender, atemloser, bildhafter Sprache. „Jeder Satz ein Aha-Erlebnis, und deshalb anstrengende, fordernde Lektüre“, attestierte Müller. Kostprobe: „Nachher lag das ganze unnütze Geschrei zerbrochen in der Gegend herum.“

 

Dr. Andreas Narr, Vorsitzender der Calwer Hesse-Stiftung, getragen von Sparkasse Pforzheim Calw und SüdwestRundfunk, hieß den Stipendiaten willkommen. Auf Narrs Nachfrage hin erzählte Peter Kurzeck lebhaft und mitreißend von seiner Arbeitsweise, die mit handgeschriebenen Sätzen beginnt. An der Schreibmaschine wird der Text fortgeführt, „manchmal schreibt man fast nebenbei die Arbeit von drei bis vier Tagen.“ Dann werde aber noch sehr viel geändert, „praktisch bis das Buch fertig ist“, wenn auch nicht ganz so lange wie dies der Surrealist Giorgio de Chirico tat. Von ihm werde erzählt, dass er sich einmal sogar am bereits gehängten Bild im Museum zu schaffen gemacht habe und deshalb irrtümlich verhaftet worden sei. „Je länger ich am Schluss arbeite, desto weiter entfernt er sich“, hat Kurzeck dabei erfahren, und „das Schreiben mach ich zwar selber, hab es aber nicht in der Hand.“

 

Peter Kurzeck kam im böhmischen Tachau zur Welt, erlebte Vertreibung und Flüchtlingsarmut. Mit fünf Jahren begegnet er erstmals dem aus dem Krieg heimgekehrten Vater. Aufgewachsen in Staufenberg bei Gießen arbeitet er später in unterschiedlichen Berufen als Gelegenheitsarbeiter, Buchhändler, Personalchef. „Aber am 19.8.1971 bin ich aufgewacht und wusste, dass ich schon mein Leben lang schreiben will“, schilderte Kurzeck den radikalsten Bruch seiner Vita. Seit 1977 lebt und arbeitet er in Frankfurt am Main und abwechselnd seit 1993 im südfranzösischen Uzès.

 

1979 erschein sein Romanerstling „Der Nussbaum gegenüber vom Laden, in dem du dein Brot kaufst“, dem acht weitere Romane folgten. Neben anderen Auszeichnungen erhielt Kurzeck 1991 den Alfred-Döblin-Preis, 1995 die Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung zu Weimar. 1999 folgte der Große Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, 2000 der Erich-Nossack-Preis.