Michael Wüstefeld

Hesse-Stipendiat Michael Wüstefeld (Mitte) mit (v.l.)

Stiftungs-Geschäftsführerin Elke Ruff,

Stiftungs-Vorsitzendem Dr. Andreas Narr,

Findungskommissions-Vorsitzendem

Egbert-Hans Müller und

Sparkassen-Filialdirektor Alexander Dippold.

Foto: Laich

„Fühle mich sehr angekommen“

Hesse Stipendiat Michael Wüstefeld in Calw begrüßt

 

„Ich fühle mich sehr angekommen“ meinte Michael Wüstefeld, 39. Stipendiat der Calwer Hermann-Hesse-Stiftung, bei der Begrüßung im Sparkassen-Casino. Der vielfach ausgezeichnete Autor und Kritiker ist nach Volker Braun und Thomas Rosenlöcher schon der dritte Stipendiat mit dem Geburtsort Dresden. Am 7. November wird Wüstefeld um 11.15 Uhr im Calwer Hermann-Hesse-Museum lesen.

 

Stiftungs-Vorsitzender Dr. Andreas Narr hieß den vor allem als Lyriker mit viel Kritikerlob bedachten gelernten Diplomingenieur in Calw willkommen. „Sicher werden Sie auch die emotionalen Vorzüge des Hesse-Geburtshauses genießen können und hier mehr Ruhe finden als derzeit in Stuttgart“, meinte Narr. Er wünschte dem Gast der Hesse-Stiftung, getragen von Sparkasse und SüdwestRundfunk „nicht nur Muße, sondern auch Inspiration durch Menschen und Landschaft.“ Als erster Stipendiat erhielt Michael Wüstefeld, seit 1996 Mitglied des PEN, die jüngst erschienene Anthologie mit den Calwer Texten früherer Preisträger.

 

Egbert-Hans Müller, Vorsitzender der Findungskommission der Hesse-Stiftung, stellte den neuen Stipendiaten gewohnt souverän und sprachgewandt vor. Müller zitierte aus Wüstefelds bizarren Erinnerungen an 86 Tage Reservedienst in der NVA – „Nackt unter der Schutzmaske“ – 1990 im Aufbau-Verlag erschienen. Michael Wüstefeld widmete das Buch seiner Mutter, seiner Frau, seinen Schwestern, seiner Tochter „und allen Frauen. Sie sind es“ – so die Widmung – „die den Traum für die Wirklichkeit träumen können, dass diese Art von Erinnerung nicht mehr möglich sein wird.“

 

Und Müller legte den Anwesenden, darunter anfänglich auch der termingestresste OB Manfred Dunst, den Reisebericht „Paris, geschenkt“ ans Herz. Ein „spannender großangelegter, zuweilen ins Hoffmanneske hinüberspielender Essay“ charakterisierte Egbert-Hans Müller. „Zu loben wäre der Lyriker, Essayist, Librettist einer Oper“ merkte der Kommission-Vorsitzende an und outete Michael Wüstefeld als passionierten Jo-Jo-Spieler.

 

„Den“ Beweis blieb Wüstefeld – wohl in Ermangelung eines Sportgeräts - zwar schuldig, trug aber einige wunderbar rhythmisierte stets ironisch gehaltene Gedichte vor. Im „Stoßgebet eines Poeten“ gelingt es ihm, ein Dichterleben auf einer Seite lyrisch zu verdichten – „Gib mir das tägliche Gedicht jetzt.“

 

Erste Erfahrungen mit der „gewitzten schwäbischen Geschäftstüchtigkeit und Gastlichkeit“ hat Michael Wüstefeld indes bereits in einer Weinhandlung gemacht. Er brauche allerdings noch Nachhilfe „in der Vielfalt der baden-württembergischen und badischen Weine“.

 

Der Hesse-Stipendiat erzählte, lange Jahre ausschließlich an Gedichten gearbeitet zu haben. Erst spät sei er dann „an eine Idee geraten, die sich mit Gedichten allein nicht mehr bewältigen ließ. Wer einmal mit der Lyrik verbandelt war, kommt schwer von ihr los.“ Er werde im Zweifelsfall immer dem Gedicht den Vorzug geben, wenn auch in der Lyrik „schon alles gesagt“ und „Vieles schon ausprobiert“ worden sei. Als Schreiber sei er „sehr auf das angewiesen, was ich gesehen habe“, bekannte Michael Wüstefeld, „ich bin immer sehr nah an meiner Biografie.“

 

Die Fülle „interessanter Autoren“, die wie er zwischen 1950 und 1960 geboren wurden, erklärt sich der Hesse-Stipendiat übrigens überzeugend schlüssig: „Man hat da einfach die wichtigen Fragen gestellt.“