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16. Internationales Hermann-Hesse-Kolloquium in Gaienhofen

Zeitraum: 
21. Ottobre 2017

„Spiegelung der Welt im vereinzelten Ich“ Hermann Hesse. Politik und Religion

 

Das Internationale Hermann-Hesse-Kolloquium wird seit 2013 alle 2 Jahre von einem der Hesse-Orte Calw, Montagnola und Gaienhofen ausgerichtet. 2017 findet das Kolloquium erstmals in Gaienhofen statt, hier verbrachte der Schriftsteller Hermann Hesse 8 Jahre seines Lebens. Unter dem Motto „Spiegelung der Welt im vereinzelten Ich“ konnten hochkarätige Referenten, darunter Karl-Josef Kuschel, Eugen Drewermann, Volker Michels, Michael Limberg, Sabine Gruber und Johannes Waßmer für Vorträge zum Thema „Hermann Hesse. Politik und Religion“ gewonnen werden. In einer Podiumsdiskussion wird über die Aktualität und „Sprengkraft“ von Hermann Hesses Werk diskutiert. Mit einer szenischen Lesung bereichern Graziella Rossi und Helmut Vogel das Kolloquium. Außerdem besteht die Möglichkeit, bei Führungen das Hesse Museum Gaienhofen mit der neu konzipierten Dauerausstellung „Gaienhofener Umwege. Hermann Hesse und sein 1. Haus“ und das Hermann-Hesse-Haus, die 2. Wohnstätte des Dichters in Gaienhofen, kennen zu lernen. Das 16. Internationale Hermann-Hesse-Kolloquium wird ausgerichtet von der Gemeinde Gaienhofen durch das Kultur- und Gästebüro und das Hesse Museum Gaienhofen.

 

10:30 Uhr: „Verpflichtung zu übernationaler Humanität“ Hermann Hesse im Ersten Weltkrieg und in den Zwanzigerjahren. Vortrag von Michael Limberg:

 

Wie viele seiner Kollegen glaubte auch Hermann Hesse zunächst an eine kathartische Funktion des Krieges. Seine Einstellung geriet aber bereits im Herbst 1914 ins Wanken. Der Hass auf die Gegner, der auch vor Kunst und Literatur ‚feindlicher’ Völker nicht Halt machte, war ihm unverständlich. Mit seinem Aufsatz O Freunde, nicht diese Töne, in dem er seine Kollegen zu Zurückhaltung, Mäßigung und Vernunft aufrief, erreichte er das Gegenteil: Er wurde als Drückeberger und Vaterlandsverräter beschimpft. Da Hesse wegen starker Kurzsichtigkeit nicht als Soldat eingezogen wurde, arbeitete er ab Sommer 1915 bei der Kriegsgefangenenfürsorge in Bern, seinem Wohnort seit 1912. Daneben wurde er nicht müde, in Zeitungsartikeln zur Versöhnung aufzurufen, Brücken zum Gegner zu bauen, aber seine Appelle zeigten wenig Wirkung. Auch nach Kriegsende musste er feststellen, dass Deutschland aus der verlorenen Katastrophe keine Lehren gezogen hatte, sondern mit wehenden Fahnen auf den nächsten Krieg zusteuerte.

 

14:00 Uhr: „Durch die Niederungen des Aktuellen waten...“ Hermann Hesse im Nationalsozialismus. Vortrag von Dr. h. c. Volker Michels, Herausgeber der Hermann Hesse Werke im Suhrkamp Verlag, Berlin:

 

Dieser Autor, der nicht bis zum Machtantritt Hitlers gewartet hat, um dem politischen Deutschland den Rücken zu kehren, sondern es bereits 2 Jahre vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs verließ, ist zurecht als der erste freiwillige Emigrant unter seinen Schriftstellerkollegen bezeichnet worden. Auf welche Weise er den zwischen Duldung und Sabotage wechselnden Vereinnahmungsversuchen der nationalsozialistischen Kulturpolitik widerstanden hat und welch lebensbedrohliche Folgen ihm und seinem Verleger Peter Suhrkamp daraus entstanden, ist eins der spannendsten, wenngleich unbekanntesten Kapitel der Zeitgeschichte. Anhand bisher noch unerschlossener Quellen schildert Volker Michels damit auch den aktuellen Hintergrund, von dem sich das Kontrastprogramm von Hesses „Glasperlenspiel“ abhebt.

 

16:00 Uhr: „Daß wir an Deutschland [...] noch viel Freude erleben werden, ist nicht wahrscheinlich.“– Hesses Positionierung als Autor nach dem Zweiten Weltkrieg. Vortrag von Dr. Sabine Gruber, Universität Tübingen:

 

Nach dem zweiten Weltkrieg trat Hesse zwar nicht mehr mit neuen Romanen hervor, blieb aber als Autor, Publizist und Redner öffentlich präsent. Der Vortrag untersucht die Frage, wie Hesse in der von der Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Verbrechen, der Wiederbewaffnung, dem beginnenden Kalten Krieg und dem wachsenden Gegensatz zwischen den beiden deutschen Staaten geprägten Nachkriegszeit seine Rolle als Autor neu defi nierte und inwieweit er von der Schweiz aus auch an deutschen öffentlichen Debatten teilnahm. Zwar richtet sich der Fokus auf Hesses Wirken in der Nachkriegszeit, es wird aber auch ein Blick darauf geworfen, welche Aktualität sein auf Integration gerichtetes Schreiben und Auftreten in der heutigen Zeit gewinnen kann, in der vielfach ein Auseinanderdriften der Gesellschaft und politische Radikalisierung beklagt werden.

 

17:30 Uhr: Podiumsdiskussion zur Aktualität und „Sprengkraft“ von Hesses Denken. Mit Prof. Dr. Dr. Karl-Josef Kuschel, Dr. Sabine Gruber, Dr. Ute Hübner, Johannes Waßmer M. A., Michael Limberg, Dr. h. c. Volker Michels, Moderation: Siegmund Kopitzki (Kulturjournalist)

 

19:00 Uhr: Pause, Möglichkeit zum Abendimbiss im Restaurant „Zum Fährmann“, 50 m vom Bürgerhaus entfernt

 

20:00 Uhr: Hermann Hesse und die Politik „Mir liegt alles Politische nicht, sonst wäre ich längst Revolutionär“. Szenische Lesung mit Graziella Rossi (Schauspielerin) und Helmut Vogel (Schauspieler), Konzeption: Volker Michels:

 

In wenigen Gebieten war dieser sonst eher traditionsverbundene Schriftsteller so vorausblickend und innovativ wie in der Politik. Als erster freiwilliger Emigrant hat Hermann Hesse das militaristische und auf koloniale Expansion bedachte Deutschland bereits 1912 verlassen und sich zwei Jahre später gegen das Völkermorden im Ersten Weltkrieg gewandt. Doch nicht nur auf journalistische sondern vor allem auf praktische Weise reagierte er auf die zeitgeschichtlichen Herausforderungen des kriegerischen 20. Jahrhunderts. Er gründete 1915 eine Zentrale für Kriegsgefangenfürsorge und hat sich in den Jahren des Nationalsozialismus für die Opfer der verhängnisvollen Politik seiner Landsleute eingesetzt. Trotz seiner Aussage „Meine Stellung ist bis zum Fanatismus apolitisch...Es müssen doch auch Leute da sein, die unbewaffnet sind“, hat er sich mit den virulenten politischen Themen der Gegenwart und Zukunft befasst und dabei weitblickende Impulse zu ihrer Bewältigung gegeben.

 

Information und Buchung:

Kultur- und Gästebüro

Tel. +49 (0)7735 9999-123

Fax 9999-200

 

info@gaienhofen.de

www.gaienhofen.de

 

Gesamtpreis: 98,00 €, Einzelpreise 13-18 €

Öffnungszeiten:

Mo-Fr 8-12 und 13-16 Uhr, Sa 9-13 Uhr

 

 

Luogo

Bürgerhaus Gaienhofen Gaienhofen 78343
Germany