Tübingen als literarischer Ort

Tübingen galt seit dem 19. Jahrhundert als die Stadt der sprichwörtlichen Dichter und Denker: die schwäbischen Romantiker um Ludwig Uhland waren hier ebenso präsent wie Friedrich Hölderlin. Mit der Universität und dem evangelischen Stift gab es zwei geistige Zentren von großer Strahlkraft.

 

Tübingen galt schon seit Beginn des 19. Jahrhunderts als Stadt der sprichwörtlichen Dichter und Denker. Zudem war es das Zentrum der schwäbischen Romantik um Ludwig Uhland und Lebensort des zu Hesses Zeit gerade wiederentdeckten

Friedrich Hölderlin. Neben zahlreichen Erinnerungsorten, die einzelnen Dichtern gewidmet sind, und dem Hölderlinturm, gibt es eine Vielzahl interessanter Schauplätze, an denen sich das literarische Leben Tübingens abspielte. So ist das Martinianum in der Münzgasse 13 noch heute ein Studentenwohnheim, das 1514 für „gesittete und fleißige“, vor allem aber bedürftige Studenten gegründet wurde. Es war die Wohnstätte verschiedener Dichter, z. B. von Justinus Kerner. Direkt nebenan liegt das Stammhaus des berühmten Cotta-Verlags, der bis 1810 von Tübingen aus die Werke Goethes, Schillers und Uhlands herausgab. Wo früher im Schloss Hohentübingen die Universitätsbibliothek untergebracht war, die der Lehrling Hesse mit Büchern belieferte, kann man heute das Museum der Universität besuchen.

 

Der Hölderlinturm

Der Hölderlinturm in der Bursagasse 6. Hier lebte Friedrich Hölderlin von 1807

bis zu seinem Tod 1843. (ca. 1900).

Reproduktion. © Stadtarchiv Tübingen

 

Friedrich Hölderlin

 

Der berühmteste mit Tübingen verbundene Dichter ist Friedrich Hölderlin (1770–1843). Er war Absolvent des Stifts und verbrachte die Hälfte seines Lebens, 36 Jahre, in geistiger Umnachtung bei der Familie Zimmer im heutigen Hölderlinturm. Er starb am 7. Juni 1843. Schon als Schüler las Hesse Hölderlins Gedicht Die Nacht. Die schwierige Poesie des in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fast vergessenen Dichters wurde ihm zu einer Art Erweckungserlebnis. Der junge Hesse fand in Hölderlin, dem sensiblen, gefährdeten und schließlich gesellschaftlich gescheiterten Poeten, einen Seelenverwandten, den er auch während seiner Tübinger Zeit und noch weit darüber hinaus immer wieder bewundernd las. Anders als Hölderlin erarbeitete sich Hesse aber schließlich eine gesellschaftlich stabile Existenz als Dichter. Hölderlin ist im Hölderlinturm in der Bursagasse 6 am Ufer des Neckars ein Museum gewidmet.

 

 

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