"Sprache im technischen Zeitalter"

Preisträger: Verleger Joachim Neuß und Redakteur

Thomas Geiger von der Zeitschrift "Sprache im

technischen Zeitalter"

„Und selten, glaube ich, ist ein Literaturpreis so sinnvoll konzipiert wie dieser“ lobte Laudator Joachim Kalka die Ausgestaltung des Calwer Hermann-Hesse-Preises. Die im gesamten deutschsprachigen Raum beachtete Auszeichnung wurde in der Calwer Aula an die Zeitschrift „Sprache im technischem Zeitalter“ verliehen. Verleger Joachim Neuß und Redakteur Thomas Geiger nahmen den mit 15 000 Euro dotierten Förderpreis sichtlich bewegt aus der Hand des stellvertretenden Stiftungs-Vorsitzenden Dr. Hubert Locher entgegen. Träger der Calwer Hermann-Hesse-Stiftung, die den gleichnamigen Preis verleiht, sind die Sparkasse Pforzheim Calw und der Südwestrundfunk (SWR).

 

Gründer der Calwer Hermann-Hesse-Preis gekrönten Zeitschrift war 1961 der 2003 in Berlin verstorbene Walter Höllerer. Das Netzwerk seiner Kontakte und Beziehungen habe auch die Zeitschrift geprägt, stellte Kalka im Rückblick auf die Anfangsjahre fest. „Die Technik, welche diese Zeitschrift betreibt, ist die des Seismographen, einer Maschine von hoher Subtilität und Sensibilität – sowie erstaunlicherweise der Fähigkeit, sich alle paar Jahrzehnte umzukonstruieren und in veränderter Gestalt dasselbe Geschäft unbeirrbar zu betreiben.“ Mit dieser Metapher umriss der Laudator Kontinuität und Veränderung zugleich, denen „Spr-i-t-Z“ in den vergangenen 45 Jahren unterworfen war.

 

Vor allem Thomas Geiger flocht der renommierte Übersetzer und Kritiker einen Lorbeer: „Wer ihn kennt, weiß, dass sich in diesem Redakteur Geduld, eine große Fürsorglichkeit und Fähigkeit zur Ermunterung und eine ganz und gar uneitle, der Liebe zur Sache der Literatur geschuldete Strenge vereint haben.“ Und Joachim Kalka brachte abschließend seine Hoffnung zum Ausdruck, der Calwer Hermann-Hesse-Preis möge dazu beitragen, „diese schöne Zeitschrift dem Interesse der Öffentlichkeit deutlicher sichtbar zu machen.“

 

Keine der rund 450 Literaturzeitschriften im deutschsprachigen Raum trage sich selbst, bemerkte Thomas Geiger in seiner brillanten Dankesrede. Folglich trage das höchst willkommene Preisgeld zur wirtschaftlichen Sicherung von „Sprache im technischen Zeitalter“ bei. Im Übrigen könne „Spritz“, die im Kölner SH-Verlag erscheint, auch durch ein Jahresabonnement von 35 Euro unterstützt werden. Stiftungs-Vize Dr. Hubert Locher führte versiert durch die festliche Verleihung und konnte gar einen Bezug zwischen Hesse und der alles beherrschenden Fußball-WM herstellen. Hatte Franz Beckenbauer in einem ZDF-Hörbuch doch einst Hesses Gedicht „Glück“ rezitiert.

 

Dietrich Birk, Staatssekretär im baden-württembergischen Wissenschaftsministerium, gratulierte in einem launigen Grußwort im Namen des Ministers. Birk unterstütze ausdrücklich das Eintreten des Preisträgers für den gedruckten Text auch im Internet-Zeitalter. Schon Hermann Hesse habe erkannt, dass Literatur durchaus imstande sei, Moden Widerstand zu leisten. Die wichtige Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in der Kulturförderung unterstrich SWR-Hörfunkchef Bernhard Hermann. Schon der Namensgeber des Preises habe schließlich „literarischen Breitensport“ betrieben, wenn auch auf höchstem Niveau. Hubertus von Gertzens Lesung aus „Klingsors letzter Sommer“ war ebenso ein künstlerischer Genuss wie die Beiträge des Calwer Musikschul-Kammerorchesters unter Manfred Holder und des Mädchenchors ArteVocale unter Angelika Mees.

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