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Ein "Krimi" beim Gerbersauer Lesesommer

Meldung vom 16.07.2022

In Hermann Hesses literarischem Städtchen „Gerbersau“, das Calw zum Vorbild hat, geht es zu wie im wirklichen Leben: Es wird geboren, geliebt, gestritten, gestorben, und es gibt auch Kriminelle. Von einem solchen und seinem Werdegang erzählt die Geschichte, die beim „Gerbersauer Lesesommer“ am Freitag, den 22. Juli, um 19.30 Uhr im Saal des Landratsamts in der Vogteistraße 42 gelesen wird.

Emil Kolb, der im Städtchen aufgewachsene Sohn eines Flickschusters, hat zunächst Glück im Leben: Er findet eine Lehrstelle in einem sehr angesehenen Handelshaus am Marktplatz und kommt gut voran. Doch dann steigt ihm der Erfolg zu Kopfe, und er meint, er müsse ein Herrenleben führen, für das er sich durch kleine, dann immer größer werdende Betrügereien das Geld verschafft. Schließlich wird er aber erwischt und entlassen und muss als einfacher Arbeiter in eine Nachbarstadt gehen. Dort will er sein Schicksal jedoch mit Gewalt wenden und wird zum Einbrecher, wobei er sich aber durch sein überhebliches Verhalten selbst entlarvt.

Wie bei vielen seiner Gerbersauer Geschichten hat Hermann Hesse auch hier aus realen Vorfällen in der Calwer Geschichte geschöpft: Sein Großvater Hermann Gundert notierte 1890 über diesen Fall: „Wir hörten von einem schweren Schlag, der unseren Schuhmacher Zahn, den frommen Mann, getroffen. Sein sechzehnjähriger Fritz, Schlosser¬lehrling in Pforzheim, wurde bei einem sehr gewagten Einbruch ertappt, als er eine Kasse mit 800 Mark gestohlen ...“

Mit veränderten Namen und Schauplätzen sowie erzählerischen Ausschmückungen und Dramatisierungen gestaltete Hermann Hesse 1910 daraus seine Erzählung „Emil Kolb“. Sie wird im Landratsamt gelesen von Luise Wunderlich und Sofia Flesch Baldin, musikalisch umrahmt durch Steffen Haß (Saxophon) und Volker Hill (Klavier). Karten gibt es an der Abendkasse und im Vorverkauf bei der Touristinformation Calw (Tel. 07051-167-399) oder bei www.reservix.de.

Zitat der Woche

„Es ist nicht meine Sache, der Verzweiflung zu dienen, im Gegenteil.“

Aus einem Brief Hermann Hesses 1943