Ein Leben im Dienste von Hermann Hesses Werk
Meldung vom 24.02.2013

Am 25. Februar begeht Volker Michels, der Herausgeber der Werke Hermann Hesses, seinen 70 Geburtstag. Er ist sicherlich der Mensch, der am meisten über Hermann Hesse weiß. Jedenfalls hat er das große Verdienst, das Werk des Dichters in den vergangenen 43 Jahren in vorzüglichen Editionen der Leserschaft noch besser zugänglich gemacht zu haben. Gekrönt hat er dies bereits 2001 bis 2007 durch die Herausgabe der kommentierten 21-bändigen Gesamtausgabe mit über 14 000 Seiten. Nun arbeitet er an einer zehnbändigen Ausgabe der unzähligen Briefe, mit denen der Schriftsteller mit seinen Freunden, Kollegen, Geschäftspartnern und besonders seinen Lesern intensiv korrespondierte.
Volker Michels begann seine berufliche Laufbahn 1970 als Lektor im Frankfurter Suhrkamp Verlag. Dieser Verlag publiziert seit seiner Gründung 1950, an der Hesse mitbeteiligt war, exklusiv dessen Werk, und eben für dieses Werk suchte damals der Suhrkamp-Verleger Siegfried Unseld einen jungen fähigen Lektor. Eigentlich hatte Volker Michels Medizin und Psychologie studiert, aber seine Passion war die Literatur und hier besonders Hermann Hesse. In seiner Schülerzeit war er dem Dichter sogar beinahe persönlich begegnet. Als 15-jähriger Schüler des Internats in Salem hatte er an Hesse nach der ihn bewegenden Lektüre des Romans „Unterm Rad“ einen Brief geschrieben und tatsächlich eine Antwort erhalten. Dadurch ermutigt, bat Michels den Dichter, ihn doch einmal in Montagnola besuchen zu dürfen, was dieser ihm nicht abschlug. Und so radelte er, als er mit seinen Eltern 1958 die Sommerferien in Ascona verbrachte, vom Lago Maggiore an den nahen Luganer See hinüber und die Collina d’Oro nach Montagnola hinauf. Bei Erreichen des Hesse-Hauses wunderte er sich über laute Rock ’n Roll-Musik, die aus diesem erschallte. Des Rätsels Lösung war, dass Hesse gerade mit seiner Frau in der Sommerfrische in Sils Maria weilte und die Haushälterin seine Abwesenheit nutzte, um ausgiebig ihre Lieblingsmusik zu spielen. Aber sie zeigte Volker Michels auch das Haus, das dieser ehrfurchtsvoll durchschritt, bevor er sich wieder auf sein Fahrrad schwang.
Als Volker Michels zwölf Jahre später in den Suhrkamp Verlag eintrat, war er bereits ein Hesse-Kenner. Vieles von Hesse war aber zu dieser Zeit auch noch unveröffentlicht, und so wurde die Publikation dieses Nachlasses zu einem seiner Arbeitsgebiete. Eine weitere Herausforderung war für ihn zu jener Zeit das Taschenbuch. In diesem neuen Buchformat setzte das Werk zu vorher nicht vorstellbaren Höhenflügen an: Waren in Hesses sechs Lebensjahrzehnten als Schriftsteller gerade einmal vier Milionen Bücher von ihm in Deutschland über die Ladentheken gegangen, so wurde dank des Taschenbuches in den drei Jahrzehnten zwischen 1970 und 2000 mehr als die fünffache Menge verkauft. Wesentlich trug dazu aber auch bei, dass Volker Michels immer wieder Neues, Spannendes aus dem Nachlass sowie interessante thematische Zusammenstellungen veröffentlichte.
Es ist zu wünschen, dass Volker Michels noch viele Jahre die Kraft besitzen wird, sein immenses Wissen über Hermann Hesse weitergeben zu können. Beim demnächst am 10./11. Mai in Calw stattfindenden 14. Internationalen Hermann-Hesse-Kolloquium wird er selbstverständlich wieder mitwirken und einen Vortrag halten zum Thema „Der Wirklichkeit trotzen. Dichtung als Widerstand bei Hermann Hesse“.
Herbert Schnierle-Lutz
