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Hesse-Museen in Gaienhofen und Calw kämpfen mit Schwierigkeiten

Meldung vom 06.05.2022

Herbert Schnierle-Lutz

Mit ganz verschiedenartigen Schwierigkeiten kämpfen momentan die Hermann-Hesse-Museen in Gaienhofen und Calw.

Das Gaienhofener Museum muss in Kürze ohne seine langjährige Leiterin Dr. Ute Hübner auskommen, die gekündigt hat, da sie mit von der Gemeinde beschlossenen Sparmaßnahmen beim Personal und den Öffnungszeiten nicht einverstanden ist und sie bei der Verwaltungsspitze auch keine ausreichende Anerkennung der inhaltlichen Arbeit und der von dieser ausgehenden kulturellen und touristischen Bedeutung sieht. Mit Dr. Ute Hübner verliert das Museum eine sehr anerkannte und erfolgreiche Leiterin und Kuratorin, die in den vergangenen zwei Jahrzehnten diese Institution ganz wesentlich aufgebaut und mit Leben erfüllt hat. Neben der Neukonzeption der Hesse-Dauerausstellung vor einigen Jahren und ausgezeichneten Sonderausstellungen zu Hesse und seinem Umfeld hat sie auch zahlreiche vielbeachtete Ausstellungen zur Künstlerszene auf der Höri und am Bodensee kuratiert. – Es wird nicht einfach sein, eine ähnlich kompetente Leiterin und Kuratorin zu finden.

Das seit über einem Jahr wegen einer Generalsanierung geschlossene Calwer Museum kämpft dagegen eher mit technischen Problemen. Bei der Untersuchung der Bausubstanz wurden vorher nicht veranschlagte starke Mängel festgestellt, sodass die Baukosten sich auf 4,5 Millionen Euro erhöhen und das sanierte Museum inklusive der neu zu gestaltenden Dauerausstellung erst 2024 wieder öffnen kann. Die Stadt will sich davon aber nicht abschrecken lassen. Oberbürgermeister Florian Kling verlautbarte dazu in der Presse: „Die Kultur ist eine der Säulen unserer Stadt. Hermann Hesse hat deshalb für uns einen sehr hohen Stellenwert. Er ist der berühmte und wichtigste Sohn der Stadt, der für uns viel mehr ist als ein großartiger Schriftsteller und Nobelpreisträger. Hesse ist ein essenzielles Puzzlestück der Identifikation Calws. So wie für ihn Calw Heimat war, so ist er heute ein unverzichtbarer Teil genau dieser.“ Das Calwer Hesse-Museum versucht nun die lange Zeit bis zur Wiedereröffnung mit Ausstellungen an anderen Orten in der Stadt zu überbrücken: So wird am 15. Mai, dem Internationalen Museumstag, eine kleine Ausstellung zu "Hermann Hesse und Calw" im Vorderhaus des Gerbereimuseums in der Badstraße eröffnet. Im Stadtmuseum Palais Vischer in der Bischofstraße ist eine Sonderausstellung "Steppenwolf und Malerfreund: Gunter Böhmer illustriert Hermann Hesse" zu sehen.

((HSL))

Zitat der Woche

„Niemand träumt, was ihn nicht angeht.“

Aus Hermann Hesses Roman „Demian“, 1917