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Petition fordert Umgebungsschutz für das Mia- und Hermann-Hesse-Haus in Gaienhofen

Meldung vom 09.07.2024

Hesse-Haus Gaienhofen Foto:Schnierle-Lutz

Das Mia- und Hermann-Hesse-Haus in Gaienhofen fordert mit einer Petition Umgebungsschutz für das als Kulturdenkmal eingestufte Haus mit seinem Garten vor der Bedrängung durch einen geplanten großen Wohnblock an der Grundstücksgrenze.

Hermann Hesse ließ das Haus 1907 für sich und seine Familie in Gaienhofen am Untersee des Bodensees von dem renommierten Architekten Hans Hindermann erbauen. Nach Fertigstellung wurde es von der „Architekten-Rundschau“ als vorbildlich in die Landschaft eingepasstes Landhaus mit hohem, durchdachtem Wohnwert im Stil der Lebensreformbewegung gewürdigt. In den folgenden Jahren legte Hesse rund um das Haus einen großen, vielfältigen Garten an. Als die Familie Hesse 1912 nach Bern zog, wurde das Haus an Clara Auffermann aus Hameln verkauft, die den Wunsch hatte, hier ein ländliches Leben in schöner Landschaft zu führen. 1920 ging das Haus dann an den Maler Walter Waentig, der hier bis 1962 sein Atelier hatte. Seine Witwe Leonore Waentig führte das Haus daraufhin als „Pension am Erlenloh“ bis zu ihrem Tod 1994 fort. Danach verwilderte der Garten zunehmend und in das Haus kam in einem immer schlechteren Zustand. Bereits 1992 war zudem der unterhalb des Hauses liegende Garten verkauft und mit 4 modernen Doppelhäusern überbaut worden, die dem Haus viel von seiner ehemals schönen Dorf- und Seesicht genommen haben. Nun droht eine weitere Bedrängung durch einen größeren Mietwohnungsblock, den ein Investor oberhalb des Hauses bauen will an Stelle eines bisherigen Einfamilienhauses, das er abreißen ließ. Die jetzigen Besitzer des Hauses, Eva und Bernd Eberwein, die es 2003 erworben und mit hohem Aufwand so denkmalgerecht in den originalen Zustand zurückversetzt haben, dass es 2005 den Denkmalpreis des Landes Baden Württemberg bekam, hoffen nun, dass sie die Bedrängung des Hauses und des ebenfalls mustergültig rekultivierten Gartens, in dem sie zusammen mit dem „Förderverein Hesse-Haus und -Garten e.V“ seit zwanzig Jahren öffentliche, gut frequentierte Führungen anbieten, durch eine Petition verhindern können. In dieser Petition wird u.a. ausgeführt:

„Wir fordern vom Regierungspräsidium Freiburg die Rücknahme der durch das Landratsamt Konstanz voreilig erteilten Baugenehmigung für das Grundstück Hermann-Hesse-Weg 1 und die Gewährung eines umfassenden Umgebungsschutzes für das historisch bedeutsame §12 Kulturdenkmal Hesse-Haus und -Garten. Begründung: Seit 20 Jahren steht das Mia- und Hermann-Hesse-Haus mit seinem Garten in Gaienhofen als besonders schützenswertes Kulturdenkmal im Denkmalbuch des Landes Baden-Württemberg. Bei der nach §12 DSchG geschützten, sogenannten „Sachgesamtheit“ handelt es sich um das einzige Haus, für das der spätere Nobelpreisträger Hermann Hesse selbst als Bauherr tätig wurde und dessen großzügigen Garten er selbst anlegte. (…)“

Diese Petition wird auch unterstützt von Silver Hesse, dem Enkel Hermann Hesses und Treuhänder der Hesse-Erben, der sich mit der folgenden Mail an die Öffentlichkeit gewandt hat:

Liebe Freunde und Zugewandte,

im Mai wurde in Gaienhofen eine Petition gestartet, um gegen den geplanten Neubau direkt an der Grenze zum Mia- und Hermann-Hesse-Haus zu protestieren. Manche von Euch haben Haus und Garten schon besucht und das einzigartige Ambiente und die Gastfreundschaft der Besitzer erlebt. Ich habe Eva Eberwein unsere Unterstützung zugesagt und bitte Euch, die Petition zu unterschreiben. Zur Gültigkeit müssen mind. 4’000 Unterschriften erreicht werden (zurzeit 2’300); es bleiben nur noch wenige Wochen.

Herzliche Grüsse Silver Hesse

https://www.openpetition.de/petition/online/wir-fordern-umgebungsschutz-fuer-haus-und-garten-des-nobelpreistraegers-hermann-hesse-in-gaienhofen [https://www.openpetition.de/petition/online/wir-fordern-umgebungsschutz-fuer-haus-und-garten-des-nobelpreistraegers-hermann-hesse-in-gaienhofen]

Zitat der Woche

„Man muss durch Leid und durch die Verzweiflung hindurch, um wieder ans Licht zu kommen.“

Aus einem Brief Hermann Hesses 1953