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Laurent Mauvignier und Claudia Kalscheuer

Der französische Schriftsteller Laurent Mauvignier und seine Übersetzerin Claudia Kalscheuer erhalten den „Internationalen Hermann-Hesse-Preis 2026“ der Calwer Hermann-Hesse-Stiftung. Dies gab der Vorstand der Calwer Hermann-Hesse-Stiftung bekannt. Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert und zählt zu den renommiertesten deutschen Literaturpreisen. Gewürdigt wird „eine schriftstellerische Leistung von internationalem Rang in Verbindung mit ihrer Übersetzung“ – so heißt es im Statut. Mit dem Preis, der alle zwei Jahre von der Calwer Hermann-Hesse-Stiftung verliehen wird, soll einem literarischen Werk Anerkennung und Aufmerksamkeit verliehen werden, das dieses nach Auffassung der Jury in besonderem Maße verdient. Der Preis wird am 2. Juli 2026, Hermann Hesses Geburtstag, in Calw verliehen.

Die Jury hat sich einstimmig für die Verleihung des Internationalen Hermann-Hesse-Preises an den Autor Laurent Mauvignier und seine Übersetzerin Claudia Kalscheuer entschieden für das Werk „Geschichten der Nacht“.

In seinem umfangreichen Romanwerk verleiht Mauvignier Menschen mit gebrochenen Existenzen eine Stimme. Seine Figuren hüllen sich in Schweigen, sind Verfolgte einer schmerzhaften Vergangenheit, die sie vergeblich hinter sich zu lassen suchen.
Die Menschen sind bei Mauvignier von Kindheitsängsten und Blessuren besessen, die oftmals Generationen weit zurückreichen und die sie nicht in Worte fassen können. Laurent Mauvignier nähert sich diesen Abgründen, die sich unter der scheinbaren Normalität der Dinge und Menschen verbergen, in langen, melodischen Sätzen wie in Das leere Haus (La maison vide), seinem neuesten Buch aus dem Jahre 2025, das über zwei Weltkriege und vier Generationen hinweg bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Wie schon die Geschichten der Nacht wird auch dieses Buch von Claudia Kalscheuer ins Deutsche übersetzt. Es erscheint im Verlag Matthes & Seitz, Berlin.

Mit Claudia Kalscheuer zeichnet die Jury eine herausragende Übersetzerin aus, die mit feinem Gespür und großem Geschick die so besondere Sprache Laurent Mauvigniers in ein Deutsch überträgt, das dem französischen Original in seiner Kunstfertigkeit, seiner Melodik, seiner Komplexität in jeder Hinsicht gerecht wird.

Jury-Mitglieder waren Audrey da Rocha, Pascale Hugues, Dr. Myriam Louviot, Iris Radisch und Prof. Dr. Jürgen Ritte.

Begründung der Jury für die Vergabe des Internationalen Hermann-Hesse-Preises 2026 an Laurent Mauvignier und Claudia Kalscheuer

Der Internationale Hermann-Hesse-Preis des Jahres 2026 geht an den französischen Autor Laurent Mauvignier und seine deutsche Übersetzerin Claudia Kalscheuer.

In seinem umfangreichen, kontinuierlich angewachsenen Romanwerk verleiht Mauvignier, so die Jury in ihrer Begründung, von Buch zu Buch Menschen mit gebrochenen Existenzen eine Stimme. Seine Figuren hüllen sich in Schweigen, sind Verfolgte einer schmerzhaften Vergangenheit, die sie vergeblich hinter sich zu lassen suchen. So etwa in Die Wunde (Des hommes, 2009) die jungen Wehrpflichtigen, die traumatisiert aus dem Algerienkrieg in ihre Heimat zurückkehren, unfähig, über die Gräueltaten zu sprechen, deren Zeugen sie geworden sind. So auch in dem voluminösen, zuletzt auf Deutsch erschienenen Roman Geschichten der Nacht (Histoires de la nuit, 2020). In diesem “huis clos”, einem Hof im Weiler La Bassée, werden vier Menschen von einer Vergangenheit aus Demütigungen, Verletzungen, erlittener Gewalt auf brutale Weise wieder eingeholt. Die Menschen sind bei Mauvignier von Kindheitsängsten und Blessuren besessen, die oftmals Generationen weit zurückreichen und die sie nicht in Worte fassen können. Laurent Mauvignier nähert sich diesen schwindelerregenden Abgründen, die sich unter der scheinbaren Normalität der Dinge und Menschen verbergen, in langen, melodischen, alle Tiefen auslotenden Sätzen wie in Das leere Haus (Das leere Haus), seinem neuesten Buch aus dem Jahre 2025, das über zwei Weltkriege und vier Generationen hinweg bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Wie schon die Geschichten der Nacht wird auch dieses Buch zur Zeit von Claudia Kalscheuer ins Deutsche übersetzt. Auch in diesem Buch lauert die Vergangenheit, immer bereit, hinter einem Familienfoto wieder aufzutauchen, aus dem ein Gesicht ausgeschnitten oder mit Kritzeleien übermalt wurde, um es auszulöschen. Abermals ein Schatten der Vergangenheit, die man vergessen will, deren Spuren man zu verwischen versucht.
Mit Claudia Kalscheuer zeichnet die Jury eine herausragende Übersetzerin aus, die mit feinem Gespür und großem Geschick die so besondere Sprache Laurent Mauvigniers in ein Deutsch überträgt, das dem französischen Original in seiner Kunstfertigkeit, seiner Melodik, seiner Komplexität in jeder Hinsicht gerecht wird.

Zitat der Woche

„Es geht dem Sommer entgegen, der königlichen Zeit. Wohlan, ich bin bereit, noch einmal das Unerhörte zu erleben und Tage der überschäumenden Pracht zu sehen.“

Aus Hesses Betrachtung „Dem Sommer entgegen“