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Malerfreunde

Malerfreunde: Hermann Hesse und Gunter Böhmer
Suhrkamp Verlag, Berlin

Schon in seiner Zeit als Sortimentsgehilfe im Basler Buchhandel schreibt Hesse: “An Verkehr mit Künstlern und Liebhabern ist kein Mangel”, immer fühlte er sich – oft in lebenslangen Freundschaften – mit bildenden Künstlern besonders verbunden. Sie gaben ihm Anregungen für sein eigenes Schaffen, waren willkommene Diskussionspartner, Mal- und Reisegefährten. Hesse dagegen unterstützte sie mit einfühlsamen Artikeln über ihr Werk für Zeitschriften, Kataloge und Monographien.

Hier werden einige von Hesses Malerfreunden vorgestellt:

Cuno Amiet, Gunter Böhmer, Otto Blümel, Max Bucherer, Olaf Gulbransson, Louis Moilliet, Ernst Morgenthaler, Hans Purrmann, Hans Sturzenegger, Peter Weiss, Albert Welti, Fritz Widmann

Cuno Amiet Selbstbildnis in Gelb (Ausschnitt) Öl 1907

Cuno Amiet

Hesse lernte Cuno Amiet 1905 kennen und schrieb für ihn ein Geleitwort im Katalog zu einer Gemäldeausstellung des Künstlers in Zürich. Das eindrucksvolle Porträt Hesses, das Cuno Amiet im Jahre 1919 mit wenigen, expressiven Pinselstrichen auf Karton malte, ist mit Hesses Pseudonym Emil Sinclair betitelt. Cuno Amiet, 1868 in Solothurn geboren und 1961 in Oschwand gestorben, gehört zu den wichtigsten Wegbereitern der Moderne in der Schweiz. “Er setzt keine Grenzen, sondern erweitert sie”, schrieb Hesse bewundernd. Der anfangs unter dem Einfluss des Jugendstils stehende Künstler war in den Jahren 1906 und 1907 Mitglied der deutschen Expressionisten-Gruppe Die Brücke. Amiet, der vorwiegend in starken, hellen Farben arbeitete, schuf zahlreiche Landschaften und Bildnisse. Als enger Freund Hesses nahm er im April 1920 dessen Sohn Bruno bei sich auf und gab dem angehenden Maler den ersten Unterricht.

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Gunter Böhmer Schutzumschlag-Entwurf für den 1987 erschienenen Band Gunter Böhmer - Hermann Hesse, Dokumente einer Freundschaft. Mit einer Einführung von Volker Michels.
Gunter-Böhmer-Archiv Calw

Gunter Böhmer

Der Maler und Grafiker Gunter Böhmer, geboren 1911 in Dresden, Schüler von Hans Meid und Emil Orlik in Berlin, besuchte – auf Einladung Hesses – den Dichter 1933 in Montagnola und ließ sich kurz darauf dort, in der Casa Camuzzi, nieder. Seinen Ruf als Buchillustrator begründeten seine Illustrationen zu Hesses Hermann Lauscher. Ihnen folgten rund 140 weitere illustrierte Bücher, darunter mehrere für Hermann Hesse, den Nachbarn und langjährigen Freund. Von 1960 bis 1976 war Böhmer Professor für freie Graphik an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart. Böhmers Nähe zu Hesse sind eine Vielzahl von Porträts des Dichters und Skizzen aus dessen Alltagsleben zu verdanken, deren größter Teil heute vom Gunter-Böhmer-Archiv Calw betreut wird. Böhmer starb 1986 in Lugano.

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Otto Blümel Aus dem Schattenspiel "Hesses Indienreise" Edition als insel Taschenbuch im März 2002

Otto Blümel

Der Maler, Graphiker, Scherenschnittkünstler und Innenarchitekt Otto Blümel (1881-1973) aus Augsburg, mit dem Hesse seit 1905 befreundet war, hielt sich ab 1907 öfters zum Arbeiten am Bodensee auf. 1909 wurde er künstlerischer Leiter der “Vereinigten Werkstätten für Kunst und Handwerk” in München, später Leiter der Fachschule für Holzschnitzerei in Garmisch-Partenkirchen. Von 1907 bis 1912 verbrachte er die Sommermonate als Gast der Familie Hesse in Gaienhofen. Hier entstand im Sommer 1911 die moritatenhafte Versdichtung “Hesses Indienreise” mit filigranen Scherenschnitten, in der der Dichter auf seiner Reise in Afrika strandet.

Blümel entwarf u.a. den Buchschmuck für Hesses Gedichtband “Unterwegs” (1911).

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Max Bucherer Porträt Hermann Hesse Holzschnitt

Max Bucherer

Der junge Schweizer Graphiker Max Bucherer, 1883 in Basel geboren, gehört zu Hesses Basler Künstlerfreunden, durch die er ein “lebendiges Verhältnis zur bildenden Kunst” findet. Bucherer, der in München und Paris studierte, in München ab 1909 auch als Lehrer an der Kunstgewerbeschule tätig war, ist besonders als Holzschneider bekannt geworden – um 1948 entsteht sein Holzschnittporträt Hesses. Bucherer lebte und arbeitete zwischen 1904 und 1909 in Gaienhofen. Später war er in Zürich ansässig. Er starb 1974.

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Olaf Gulbransson, Selbstbildnis

Olaf Gulbransson

Die Freundschaft Hesses mit dem gebürtigen Norweger Olaf Gulbransson (geboren 1873 in Kristiania, heute Oslo; gestorben 1958 in Tegernsee) begann 1907, beide waren Mitarbeiter der satirischen Zeitschrift “Simplicissimus”. Der Maler und Zeichner und begnadete Karikaturist besuchte Hesse noch im gleichen Jahr am Bodensee, porträtierte den Dichter und karikierte ihn als Waldtaube “Die Hesse”. Ab 1929 lehrte Gulbransson als Akademieprofessor in München. 1934 Besuch Hesses bei Gulbransson am Tegernsee.

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Louis Moilliet

Louis Moilliet

Louis Moilliet (1880 Bern – 1962 Vevey), Schweizer Expressionist, Mitglied der Künstlervereinigung Der blaue Reiter und Freund Cuno Amiets, hatte 1914 die legendäre Tunisreise mit August Macke und Paul Klee initiiert. 1919 besuchte er Hesse und malte zusammen mit ihm in und um Montagnola.
Beide waren in lebenslanger Freundschaft miteinander verbunden. Hesse bekannte, Moilliet “hatte in der Zeit, wo ich halb Maler war, Einfluss auf mich”. Er verewigte ihn als “Louis der Grausame” in der Erzählung Klingsors letzter Sommer, “der seine Kunst ganz verstand, dessen eigene Kunst der seinen nah und ebenbürtig war”. 1943 erschien die von Moilliet illustrierte Sammlung mit Erzählungen Am Weg.

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Ernst Morgenthaler, Porträt Hermann Hesse, Lithographie 1927

Ernst Morgenthaler

Ernst Morgenthaler (1887 in Kleindietwil im Aargau geboren, 1962 gestorben) ging nach Studien in Zürich und Berlin 1914/15 zu Cuno Amiet nach Oschwand, 1916 zu Paul Klee in München. Er lithographierte 1926 und 1927 (zu Hesses 50. Geburtstag) Porträts des Dichters. Hesse dankte ihm 1926: “Mit den Bildnissen, die Du mir, o edler Spender, geschickt hast, hoffe ich, je nach Zeit und Anlass verschiedene Frauenherzen zu beglücken, und auch mein Sohn (Bruno, ebenfalls Amiet-Schüler) soll eins kriegen.” 1936 schreibt Hesse eine Einführung zu einer Monographie über den Maler. 1945 wird er von Morgenthaler mehrfach in Montagnola porträtiert, er schreibt das ›Gedenkblatt‹ Maler und Schriftsteller für den Katalog zu dessen Berner Ausstellung.

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Hans Purrmann

Hans Purrmann

Der Maler und Graphiker Hans Purrmann, geboren 1880 in Speyer, hatte eine Lehre als Dekorationsmaler und ein Studium in Karlsruhe und München hinter sich, als er 1906 nach Paris aufbrach. Die Begegnung mit Matisse beeinflusste ihn maßgeblich, gemeinsam mit dem großen französischen Maler gründete er eine Malschule.

1916 bis 1935 wohnte und arbeitete Purrmann abwechselnd in Berlin und in Langenargen am Bodensee. 1935 wurde er Leiter der florentinischen Villa Romana in Italien, die er 1943 verlassen musste. Nach kurzem Aufenthalt in Castagnola bei Lugano ließ er sich 1944 in der Casa Camuzzi in Montagnola nieder. 1953 schrieb Hesse das Gedicht Alter Maler in der Werkstatt, das er Hans Purrmann in Freundschaft widmete. Purrmann starb 1966 in Basel.

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Hans Sturzenegger

Hans Sturzenegger

Der Maler Hans Sturzenegger, geboren 1875, stammte aus begütertem Hause in Schaffhausen. Sein großzügiges Atelier im Haus Belair, das ihm dort nach seinem Kunststudium an der Karlsruher Akademie eingerichtet wurde, war bald Mittelpunkt eines Künstlerzirkels, mit dem Hesses Künstlerfreunde aus Gaienhofen Kontakte pflegten.

In Begleitung Sturzeneggers, dessen Bruder Robert in Singapur das elterliche Unternehmen führte, unternahm Hesse 1911 seine Reise nach Indien (vgl. Sturzeneggers Illustrationen in Hesses Reisebuch Aus Indien. Erweiterte Neuausgabe 1980, Suhrkamp Taschenbuch 562) . Sturzenegger, von seinen Freunden Sturz genannt, porträtierte Hesse mehrfach. Über das Porträt von 1912 äußerte der Dichter: “Besonders gern habe ich eine Ölstudie vom Sommer 1912, die ich besitze, im Freien im Rohrstuhl, grüner Hintergrund, gelber Panamahut, lesend in einem roten Buch.” Züge Sturzeneggers verlieh Hesse in seinem Roman Rosshalde dem Maler Veraguth. Kurz nach einem Besuch bei Hesse in Montagnola starb Sturzenegger 1943 in Zürich.

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Peter Weiss

Peter Weiss

Der Schriftsteller und Maler Peter Weiss (geboren 1916 in Nowawes bei Berlin, gestorben 1982 in Stockholm) emigrierte 1934 nach England, dann nach Prag, wo er Kunst studierte. Er verbrachte auf Einladung Hesses den Sommer 1937 in der Casa Camuzzi, ließ sich 1938 vorübergehend dort nieder, später in der Nähe Montagnolas, in Carabietta. Er illustrierte während dieser Zeit Hesses Märchen Kindheit des Zauberers, die Erzählung Anton Schievelbeyn’s und Tessiner Sommerabend. Weiss lebte seit 1939 in Schweden und nahm die schwedische Staatsbürgerschaft an. Weniger seine Malerei als seine Erfolge als Autor machten das Doppeltalent später in Deutschland bekannt, z. B. der Roman “Der Schatten des Körpers des Kutschers” oder die Theaterstücke “Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats” und “Die Ermittlung”, ein Stück, das den Auschwitz-Prozess in Frankfurt zum Thema hat.

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Albert Welti Selbstbildnis

Albert Welti

Albert Welti, geboren 1862 in Zürich, studierte in München, geriet unter den Einfluss Arnold Böcklins, fand dann aber zu einem ganz eigenen, fabulierenden Stil voller Phantasie und Naturverbundenheit.
Hesse, der anfangs besonders Weltis Radierungen bewunderte, lernte den Maler 1907 durch gemeinsame Künstlerfreunde in München kennen, dem Wohnsitz Weltis von 1895 bis 1908. In seiner Einführung zu einer Monographie über Welti schreibt Hesse 1917: “Seit der Stunde, in der ich die Mondnacht gesehen, hat Welti für mich zu den Künstlern gehört, mit denen ich lebte, (…), an deren Art ich mich und andere maß.”

Und weiter: “Die beiden Quellen seiner Meisterschaft waren eine starke, eigenwillige, aus tiefen Seelengründen genährte Phantasie und ein altmeisterlicher Formwille.” Hesse und seine Familie bezogen das Berner Haus des Malers im Melchenbühlweg in Bern nach dessen Tod im Jahre 1912.

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Fritz Widmann Tuschfeder-/Graphitzeichnung von Hermann Hesse um 1919/1920
Silver Hesse

Fritz Widmann

Mit dem Schweizer Maler Fritz Widmann (1869-1937) aus Brienz und dem Komponisten Othmar Schoeck unternahm Hesse 1913 seine fünfte Italienreise. Er war der Sohn des bekannten Schweizer Schriftstellers und Redakteurs Josef Victor Widmann und der Ehemann von Gret Widmann, die Hermann Hesse in den Jahren 1919 bis 1930 mehrfach fotografierte. Das Künstlerpaar lebte in Rüschlikon am Zürichsee.

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Zitat der Woche

„Glück ist Liebe, nichts anderes. Wer lieben kann, ist glücklich.“

Aus Hermann Hesses Romanfragment „Martins Tagebuch“, 1921