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Ausgewählte Bildnisse

"Hermann Hesse" Bronze von Peter Steyer, 1989
Silver Hesse, Foto: Peter Steyer

Nicht nur seine zeitgenössischen Künstlerfreunde, haben Hermann Hesse in Tusche, Öl und Bronze porträtiert, auch in unserer Zeit üben Werk und Person Hesses für zahlreiche Künstler eine große Faszination aus. So entstehen heute noch Plastiken und Bilder, die sich mit der asketischen Gestalt und den ausdrucksstarken Zügen des Dichters auseinandersetzen. Eine kleine Auswahl alter und neuer Bildnisse wird hier vorgestellt. Die Künstler:

Cuno Amiet
Gunter Böhmer
Paul Citroen
Gregor Dittmer
Dieter Huthmacher
Ernst Laich
Peter Steyer
Richard Ziegler

"Emil Sinclair", Cuno Amiet 1919
Silver Hesse

Cuno Amiet

Das eindrucksvolle Porträt Hesses, das Cuno Amiet im Jahre 1919 mit wenigen, expressiven Pinselstrichen auf Karton malte, ist mit Emil Sinclair betitelt. Unter diesem Pseudonym veröffentlichte der Dichter ab 1917 seine journalistischen Mahnrufe gegen den Ersten Weltkrieg. Im gleichen Jahr erschien unter diesem Decknamen die Erzählung Demian. Cuno Amiet, 1868 in Solothurn geboren und 1961 in Oschwand gestorben, gehört zu den wichtigsten Wegbereitern der Moderne in der Schweiz. Der anfangs unter dem Einfluss des Jugendstils stehende Künstler war in den Jahren 1906 und 1907 Mitglied der deutschen Expressionisten-Gruppe “Die Brücke”. Amiet, der vorwiegend in starken, hellen Farben arbeitete, schuf zahlreiche Landschaften und Bildnisse. Als enger Freund Hesses nahm er im April 1920 dessen Sohn Bruno bei sich auf und gab dem angehenden Maler den ersten Unterricht. Amiets Porträt ist im Original – als Dauerleihgabe des Hesse-Sohnes Heiner – im Hermann-Hesse-Museum in Calw zu sehen.

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"Hermann Hesse" von Gunther Böhmer, Mischtechnik
Gunter-Böhmer-Archiv Calw

Gunter Böhmer

Zwei Künstlern verdanken die Hesse-Freunde die intensivsten Bilddokumente aus Hesses Umgebung: dem Hesse-Sohn Martin, der uns in zahlreichen Aufnahmen ein lebendiges Bild des Vaters vermittelte, und dem Maler, Zeichner und Buchillustrator Gunter Böhmer (1911-1986), der auf unnachahmliche Weise den Charakter von Person und Situation mit dem Zeichenstift erfasst hat.

Böhmer, der als Bewohner der “Casa Camuzzi” in Montagnola seit 1933 “in Hesses Nähe” weilte, legte mit einer Schenkung an die Stadt den Grundstein für das heutige Gunter-Böhmer-Archiv Calw. Auch das hier vorgestellte Bildnis mit der Katze im Schoß, ein Werk in Mischtechnik von Tusche und Gouache, gehört zu den Beständen dieses Archivs.

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"Hermann Hesse" von Paul Citroen, Bleistift 1962
Hermann-Hesse-Museum Calw

Paul Citroen

Die Bleistiftzeichnung ist am 18. Mai 1962, nur wenige Monate vor Hesses Tod, in Montagnola entstanden und trägt neben der Signatur des Zeichners auch die des Dichters. Citroen, 1896 als Sohn holländischer Eltern in Berlin geboren, übersiedelte 1917 in die Niederlande. Von 1922 bis 1925 studierte er am Bauhaus in Weimar. Eine seiner Studienarbeiten, die Fotomontage “Metropolis” , ein beklemmendes Raumgefüge großstädtischer Architektur-Motive, hat Epoche gemacht: sie inspirierte den Regisseur Fritz Lang bei der Arbeit zu seinem gleichnamigen Film. Bekannt ist auch Citroens Porträt des Dichters Thomas Mann. Der Künstler starb 1983 in Wassenaar/Niederlande.

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"Hermann Hesse" Portraitbüste von Gregor Dittmer
Gregor Dittmer

Gregor Dittmer

Die Porträtbüste des Dichters wurde vom Hermann-Hesse-Museum Calw 1997 angekauft. Geschaffen wurde sie von dem 1965 in Wiesbaden geborenen, heute in Göllheim-Albisheim lebenden Bildhauer Gregor Dittmer.

Dittmer belegte – nach dem Studium der Kunsterziehung an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz – von 1987 bis 1994 den Studiengang “Freie Bildhauerei” bei Prof. Inge Mahn an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste in Stuttgart.

1996 begann er ein Studium der Kunsttherapie in Nürtingen. Seine Porträtbüste des früheren Bundespräsidenten Theodor Heuss wurde 1994 im Bonner Bundeshaus aufgestellt.
Gregor Dittmer schuf die Bronze-Medaille zum Großen Ehrenpreis des Weißen Rings.

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Holzschnitt von Dieter Huthmacher aus Günter Mahal: ›Sehr verehrt‹, Bad Teinach 1993
DOPPELFANT-Presse

Dieter Huthmacher

Hesse-Karikaturen haben Tradition, seit Olaf Gulbransson mit der spitzen Zeichenfeder “Die Hesse” erfand, einen Vogel, dessen Kopf die Züge des Dichters trägt.

Dieter Huthmacher nimmt – gemeinsam mit Günter Mahal – in seinem Buch “Sehr verehrt”, aus dem dieser Farbholzschnitt stammt, einen intoleranten “Hesse-Jünger” aufs Korn. Huthmacher, der 1947 in Pforzheim geboren wurde und dort auch studiert hat, war 1977 Stipendiat der Villa Massimo. Er ist nicht nur als Graphiker und Karikaturist (DIE ZEIT, Pardon, Schwarzwälder Bote) erfolgreich, sondern auch als Drucker und Herausgeber bibliophiler Bücher in der doppelfant-Presse.

Freunde literarisch-musikalischer Kleinkunst bewundern den vielseitigen Künstler als Autor, Komponist und Interpret eigener Lieder. Dieter Huthmacher lebt und arbeitet in Pforzheim.

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"Hermann Hesse" von Ernst Laich, Bleistift
Andreas Laich

Ernst Laich

Als Gebrauchsgraphiker hat Ernst Laich lange Jahre in der Werbeabteilung einer Bausparkasse gearbeitet, in Calw hat er für einige renommierte Firmen Signets geschaffen. Der Calwer Künstler, der 1923 in Simmozheim geboren wurde und seine Ausbildung an der Stuttgarter Kunstakademie erhielt, war ein brillanter Zeichner, der auch zur Wandgestaltung öffentlicher Gebäude in der Umgebung herangezogen wurde. 1970 erhielt er von dem Fabrikanten Heinrich Perrot den Auftrag, ein Buch über seinen Vater Johann Immanuel Perrot zu illustrieren, in dessen Turmuhrenfabrik Hermann Hesse eine Schlosserlehre absolvierte. Im Nachlass Ernst Laichs, der 1997 starb, fand sich in einer Serie von Porträts des Dichters auch diese Bleistiftzeichnung, die hier zum ersten Mal veröffentlicht wird.

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"Hermann Hesse" Bronze von Peter Steyer, 1989
Silver Hesse, Foto: Peter Steyer

Peter Steyer

Der Bildhauer Peter Steyer – geboren 1927 in Senica bei Pressburg, Meisterschüler von Richard Scheibe und Georg-Kolbe-Preisträger – hat sich mit seinen lebendigen Bronzeplastiken aus der arabischen Welt, später mit seinen bewegten Studien von Tänzerinnen und Tänzern einen Namen gemacht. Doch auch als Porträtist besaß er einen glänzenden Ruf. 21 beispielhafte Werke schenkte der Künstler Calw, die er nach Schließung der Galerie der Stadt zurückforderte.

Eine 1989 entstandene Büste Hesses – eine Schenkung der Sparkasse Pforzheim Calw – begrüßt die Besucher des Hermann-Hesse-Museums am Calwer Marktplatz. Ein weiterer Guss der Bronze steht im Hermann-Hesse-Kabinett der Sparkasse Pforzheim Calw. Peter Steyer lebte und arbeitete bis zu seinem Tode 2009 in Neubulach-Liebelsberg.

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"Hermann Hesse" von Richard Ziegler, Wachsdruck
Richard-Ziegler-Stiftung Calw

Richard Ziegler

Der Maler Richard Ziegler (1891-1992) schuf diese Zeichnung des Dichters um 1950 in der von ihm gern verwandten Technik des Wachsdrucks – einer Art Siebdruckverfahren. Das Original befindet sich in der Richard-Ziegler-Stiftung Calw.

Durch Hesses Hilfe hatte der nach England emigrierte Ziegler während des 2. Weltkrieges Briefkontakt mit Deutschland halten können. Ziegler ist Hesse Ende 1948 in Baden in der Schweiz persönlich begegnet – durch Vermittlung der in Calw lebenden Hesse-Cousine Fanny Schiler. Im Tagebuch notiert er: “Wir haben uns also endlich von Angesicht zu Angesicht gesehen, und ich glaube, er hat mich liebgewonnen. Ich fühlte mich ihm menschlich nahe, als hätte ich ihn schon immer gekannt. Wie wohl tat mir sein klares Denken und seine überlegene Ruhe, in Rede und Geste – und wie jung er doch ist.”

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Zitat der Woche

„Meine Aufgabe ist nicht, andern das objektiv Beste zu geben, sondern das Meine so rein und aufrichtig wie möglich.“

Aus einem Brief Hermann Hesses 1931